Unsere nächsten Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) auf einen Blick. Alle Veranstaltungen dieses Monats finden Sie in der Monatsübersicht, frühere Veranstaltungen im Archiv.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Moderation Wiebke Porombka
Oft ist es der Tod eines Menschen, der einen zurückführt an einen Ort und in eine Zeit, mit denen man längst abgeschlossen zu haben glaubte. Auch Jens Wonneberger lässt in seinem Roman „Sture Hunde“ einen Mann in das ostdeutsche Dorf seiner Jugend zurückkehren, als der seinen Vater beerdigen muss. Unversehens reißen alte Wunden auf, muss der Sohn sich den Fragen über das eigene Fehlgehen und das vermeintliche Scheitern des Lebens stellen. Schwerlich entziehen kann man sich diesem bei aller äußeren und inneren Dramatik stillen Erzählen Wonnebergers.
Verläßt ein dreißigjähriger deutscher Dichter seine Sprechzelle, um fortan in Frankreich zu leben, riskiert er, seinen Randstand zu verschärfen und wie der Peruaner César Vallejo, der 1938 in Paris verhungerte, stolzer Paria zu werden. Jochen Winter hat diesen Schritt gewagt und lebt seit zwanzig Jahren als freier Autor auf dem Montmartre, dem Märtyrerberg. Paris wurde ihm Lebensraum, aber nicht Thema seiner elementaren Gedichte, die unser irdisches Sein einbetten in den Strom kosmischen Werdens und Vergehens in all seiner Schönheit und Unerschöpflichkeit.
Gabriele von Arnim im Gespräch mit Antje Rávic Strubel
Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können, treffen sich auf einer schwedischen Vogelschutzinsel und werden zum Liebespaar – ein Paar, das beobachtet wird. Was für eine Rolle spielt dieser Beobachter, ein früherer Bekannter der Vogelforscherin zu DDR-Zeiten? Ohne es zu ahnen, sind beide in eine politische Intrige verstrickt. Strubel erzählt vom Sich-Erinnern, von Legenden und Lügen unserer Gegenwart.
Mit dem Theaterkollektiv Teatr Weimar (Jörgen Dahlqvist) und Staffan Valdemar Holm (Regisseur, Intendant Düsseldorfer Schauspielhaus) und Ulf Peter Hallberg (Schriftsteller, Übersetzer)
Gesprächsleitung Jens Roselt (Uni Hildesheim)
Für die Brecht-Tage diskutiert das schwedische Theaterkollektiv Teatr Weimar, wie Sprache und Identität im Brecht‘schen Sinne identifiziert und benutzt werden können. Staffan Valdemar Holm und Ulf Peter Hallberg erörtern in einem Dialog ihre Erfahrungen und Beobachtungen mit Brecht aus schwedischer Perspektive.
Mit Stefan Kaegi (Rimini Protokoll; Regisseur) und Milo Rau (Regisseur, Autor)
Gesprächsleitung Patrick Primavesi (Uni Leipzig)
Für die Brecht-Tage zeigt und diskutiert Kaegi Maßnahmen von Rimini Protokoll gegen globalisierte Verfremdung bei Daimler sowie in indischen Call Centres. Milo Rau wird sich, ausgehend von der Performance Bei Anruf Avantgarde!, die Brechts Die Maßnahme diskutiert, mit den Möglichkeiten eines aktuellen politischen Theaters auseinandersetzen.
Mit David Levine (Performance-Künstler) und Ari Benjamin Meyers (Komponist und Dirigent)
Gesprächsleitung Hans-Christian von Herrmann (TU Berlin)
Für die Brecht-Tage diskutiert David Levine in einem Vortrag Brechts Theater im Kontext der bildenden Kunst. Ari Benjamin Meyers zeigt das Stück „Solo (in Brecht’s House)“, basierend auf einer musikalischen Performance von Soundfair, bei der ein Zuschauer einer Opernsängerin in Brechts Arbeitszimmer begegnet.
(Aufführung des Stücks „Solo (in Brecht’s House)“ ab nachmittags in der Brecht-Weigel-Gedenkstätte der Akademie der Künste, Anmeldung erforderlich unter Tel. 030–2822003. Begrenztes Kartenkontingent.)
Mit Nya Rampen (Elmer Bäck und Rasmus Slätis)
Gesprächsleitung Michael Wehren (Uni Leipzig)
Die finnische Theatergruppe Nya Rampen entwickelt für die Brecht-Tage eine Lecture-Performance, in der sie sich anhand von Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ mit finnisch-deutschen Identitätsfragen auseinandersetzt.
Leitung Nikolaus Müller-Schöll (Uni Frankfurt a.M.)
Junge Wissenschaftler und Künstler stellen unter Leitung von Nikolaus Müller-Schöll in kurzen Beiträgen ihre Arbeiten zu Brecht vor.
Mit Camilla Graff Junior (Regisseurin/Performancekünstlerin) und Daniel Wedel (Autor, Regisseur)
Gesprächsleitung Nikolaus Müller-Schöll (Uni Frankfurt a.M.)
Für die Brecht-Tage entwickelt Camilla Graff Junior die Lecture-Performance „Epic theatre in I form?“, in der sie die Konstruktion, Organisation und das Erzählen einer Geschichte thematisiert. Daniel Wedel liest aus dem gemeinsam mit der norwegischen Gruppe VERK entwickelten Text „Build Me a Mountain!“.
Moderation Gerrit Bartels
Doubles von Stars wie Justin Timberlake, Shakira und Josephine Baker bilden das Personal von Thomas Meineckes neuem Roman „Lookalikes“. Auch der Autor selbst taucht innerhalb des Textes als literarischer Doppelgänger auf, als der Schriftsteller Thomas Meinecke, der sich auf den Spuren Hubert Fichtes ins ferne Salvador da Bahia begibt. Ein Spiel aus Realität und Fiktion setzt ein, das sich im Motiv der illustren Imitationskünstler fortwährend selbst reflektiert und den Ausgangspunkt für Diskurse um sexuelle Dissidenz und Postkolonialismus bildet.
Jörg Magenau und Frauke Meyer-Gosau im Gespräch mit Monika Maron
Zwei Kritiker laden einen prominenten Gast ins Literaturforum ein, um mit ihm über neu erschienene Romane und Erzählungen zu diskutieren und ihn über seine Lese-Erlebnisse zu befragen. Darüber hinaus geben die Gesprächspartner kurze Empfehlungen zu den aufregendsten Büchern aus der laufenden Produktion. Aus jedem der zur Diskussion gestellen Bücher gibt es eine kurze Lesung.
In Zusammenarbeit mit „Literaturen“
Moderation Thomas Flierl
Ein Schriftsteller, mit Frau, Kindern, Hund und schöpferischer Krise, lebt in einem von einem amerikanischen Investor erworbenen Haus, das immer mehr zur Baustelle wird. Zur Überwindung seiner Schreibblockade macht sich der Protagonist daran, einen Beschwerdebrief an den amerikanischen Investor aufzusetzen, der zu einer Art Lebensprojekt wird. Bremers Roman ist geschrieben als ein innerer Monolog, voller surrealer, um einander kreisender Gedanken und einer Riesenportion Weltschmerz.
Georg Fülberth im Gespräch mit Barbara Kirchner und Dietmar Dath
Wer sich als Freund des Fortschritts begreift, gerät oft in Begründungsnöte, erst recht, wenn Fortschritt zu allererst als ein gesellschaftlicher verstanden wird. Barbara Kirchner und Dietmar Dath laden auf über 900 Seiten zu einer Neuentdeckung dieses Paradigmas ein. Jede Zeit – darauf verweist der Titel ihres Buchs – habe ihren „Implex“: auf einzigartige Weise verflochtene, gleichwohl explizierbare, reale Möglichkeiten sozialen Fortschritts. Ihr Blick richtet sich auf die Geschichte der Moderne, auf Ökonomie, Krieg, Wissenschaft, Fragen der Emanzipation und das Feld der Kultur, nicht zuletzt der Musik und Science-Fiction-Literatur. Dabei geht es ihnen immer auch um die Rückgewinnung eines analytischen, dezidiert gesellschaftstheoretischen und in diesem Sinne letztlich „fortschrittlichen“ Vokabulars.
In Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag
Moderation Alexander Cammann
Das zu Beginn des schmalen Romans zwölfjährige Mädchen wächst auf in totaler Verwahrlosung. Die schockierende Gewalt und Unsicherheit, mit der die Mutter agiert, führt dazu, dass das Mädchen sich in eine große Gefühllosigkeit zurückzieht – und ihrerseits Aggressionen gegen Bruder und Mitschüler entwickelt. Flucht bieten ihr nur die Bücher. Der Roman, der in den 70er Jahren in der DDR spielt, wird aus der dritten Person erzählt. So ist eine große Detailliertheit und Intensität ohne sentimentale Einfühlung möglich.
Wolfgang Benz im Gespräch mit Sascha Feuchert
Der Laubacher Justizinspektor Friedrich Kellner wollte der Nachwelt ein Zeugnis ablegen von der gedankenlosen Unterwürfigkeit seiner Zeitgenossen und den hohlen nationalsozialistischen Propagandaphrasen. Von 1939 bis 1945 schrieb er beinahe täglich seine Kritik am NS-Regime nieder und dokumentierte die vielen kleinen und großen Verbrechen der NS-Diktatur. Seine Tagebücher zeigen, dass jeder in der Lage gewesen wäre, die nationalsozialistische Rhetorik zu entlarven und von den Gräueltaten des „Dritten Reiches“ zu wissen. In der Verbindung von Zeitungsausschnitt und Kommentar findet Friedrich Kellner eine Methode, die seine Tagebücher neben die Aufzeichnungen Victor Klemperers stellt.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Moderation Marina Neubert
Eine typische Genazino-Figur: ein Architekt, der zunehmend die Kontrolle über sein Leben verliert. Es sind vor allen Dingen die Frauen, die ihn für ihre Zwecke einspannen. Er, der sich ständig auf der Flucht „vor zu viel überflüssigen Erlebnissen“ befindet, ist bemüht, sich den Anforderungen nicht nur einer Beziehung zu entziehen, sondern den Verbindlichkeiten des Lebens überhaupt. Im Gefängnis schließlich lässt Genazino seinen Helden so etwas wie Glück finden.
Moderation Michael Opitz
Volker Braun hat seiner Erzählung „Die hellen Haufen“ ein Zitat von Ernst Bloch vorangestellt: „Was wir nicht zustande gebracht haben, müssen wir überliefern.“ In der von ihm erzählten Geschichte übernimmt ein Narr die Rolle des Chronisten. Der erzählt zunächst die Fakten, um sich im letzten Teil des Buches immer mehr von ihnen zu entfernen, so dass der „unermeßliche Bereich der Erfindung“ geöffnet wird. Brauns Narr ist ein Spötter, der weiß, dass die Mächtigen nicht hören und auch aus Niederlagen so lange nicht lernen, so lange sie mächtig sind. Dann sind Aufstände unausbleiblich. Der, von dem Braun erzählt, hat allerdings nicht stattgefunden.
Die Idee für die Ausstellung gründet in dem Gedanken, verschiedene künstlerische Schaffensbereiche ein und derselben Person, nämlich Malerei, Dichtung, Schauspielerei sowie Musik zusammen unter ein Dach zu stellen. Es geht darum, den künstlerischen Weg einer Person anhand der jeweiligen Betätigungsbereiche und Werke aufzuzeigen – nicht in dem Wunsch, mit Vielseitigkeit zu prahlen, sondern diese Vielseitigkeit unter dem Aspekt von “Fluch und Gabe” zu beleuchten. Wieso muss ein Schauspieler auch noch Maler, Dichter und Musiker sein wollen?
Konzept: Robert Gallinowski
(Eröffnung am 17.12.2011, 17 Uhr, siehe Veranstaltungen)