Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im Januar 2009.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Annett Gröschner im Gespräch mit Fritz Mierau
Mit Das Verschwinden des Franz Jung legte Fritz Mierau 1998 eine der innovativsten Biographien der Zeit vor, die um die Leerstellen des Lebensweges einer schillernden Figur der deutschen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts kreist, kongenial zu den literarischen Entwürfen Franz Jungs, die ihrer Zeit weit voraus waren. Vier Jahre später setzte Mierau diesem (Lebens-)Entwurf seine Autobiographie „Mein russisches Jahrhundert“ entgegen, eine politisch-ästhetische Reise durch ein knappes Jahrhundert Ost-West-Geschichte.
Richard Pietraß im Gespräch mit Jan Koneffke
Die heiteren Gedichte dieses 1960 in Darmstadt geborenen und nach berlinschen und römischen Jahren nun in Wien und Bukarest lebenden Luftgeistes sind behauchte Spiegel seines sanguinischen Temperaments. Nie waren Verse so konsequent oberhalb von Katzenschlüpfen und Spitzwegkammern angesiedelt. Als Dachfirstantäus schenkt er uns augenzwinkernd sein beschwingtes Lebensgefühl und weiß auf die Frage, ob wir Wolkenberge versetzen und fliegen können, im Brustton: Yes, we can.
Moderation Daniela Dahn
Die Haft in Buchenwald, seine lebensgefährliche Untergrundtätigkeit gegen das Franco-Regime und die Abkehr von seinen stalinistisch-kommunistischen Überzeugungen hat der Autor Jorge Semprún nie bloß durchlitten, sondern auch kühl analysiert. In seinen Romanen gibt er jedoch nicht alles preis. Franziska Augsteins Buch begleitet Semprún durch sein Leben und zeichnet das Porträt eines Jahrhundertlebens.
Mit Laurant Chétouane, Thomas Martin, Marcus Steinweg, B. K.Tragelehn und Philippe Vincent
„… oder Der Zeitraum zwischen Nichtmehr und Nochnicht als Ort des Neubeginnens“ – Nach einem kurzen Vortrag des Philosophen Marcus Steinweg unterhalten sich vier Theaterpraktiker über die Möglichkeiten von Müllers Werk im 21. Jahrhundert. Zu Gast sind Philippe Vincent, künstlerischer Leiter der “Compagnie Scénes”, Lyon, die zahlreiche Müller-Inszenierungen herausgebracht hat und Laurente Chetouane, der eben auf dem 13. Dortmunder Festival für seine Inszenierung von Bildbeschreibung ausgezeichnet wurde, Thomas Martin und der Veteran des Müllerschen Theaters, B. K. Tragelehn.
Mit René Pollesch und Sahika Tekand
Moderation Frank Raddatz / Harald Müller
René Pollesch, Jahrgang 1962, Regisseur und Autor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, daneben kontinuierliche Theaterarbeiten in Luzern, Stuttgart, Hamburg, München, u.a.
Sahika Tekand, Jahrgang 1959, Autorin, Regisseurin und Schauspielerin, Leiterin des Studio Oyunculari, Istanbul
Moderation Gabriele von Arnim
Durch die Augen seines Helden, eines Verwaltungsangestellten der seine Nachbarn übers Fenster beobachtet, protokolliert Wonneberger akribisch Lebensläufe mit all ihren Katastrophen. Herausgekommen ist eine ganz eigene Geschichte. Assoziationen zu diversen Hitchcock-Klassikern stellen sich fast automatisch ein. Die Tragikomik im Gewöhnlichen und Alltäglichen verdichtet Wonneberger mit klarer Sprache und präzisem Blick zu einem Seelenporträt der deutschen Gegenwart.
Mit Friedrich Christian Delius und Klaus Briegleb (Einführung)
Moderation Christian Hippe
Der Legende nach gilt die bundesrepublikanische 68er-Bewegung als ideologisch blind gegenüber den zeitgleichen Aufbrüchen und Verhältnissen in Osteuropa und der DDR. Dieses Vorurteil muss berichtigt werden, zumal im Hinblick auf ihre literarischen Protagonisten. Klaus Briegleb (68er-Monograph) rekonstruiert das Koordinatensystem dieser Literaturszene. Friedrich Christian Delius liest eigene Texte der Zeit und gibt Einblicke in das unterschätzte Kommunikationsnetz zwischen den Literaturen beider deutscher Staaten.
Sigrid Damm, Friedrich Dieckmann und Christoph Hein lesen Texte von Horst Drescher und gratulieren dem Autor zum 80. Geburtstag
Moderation Holger Teschke
Horst Drescher, geboren 1929 in Olbersdorf bei Zittau, studierte Germanistik bei Theodor Frings und Hans Mayer und begann ab 1953 eigene Texte zu schreiben. Nachdem sein Stück Studenten und ein Film über die Universität Leipzig noch vor der Premiere verboten wurden, konnte Drescher erst ab 1980 wieder in “Sinn und Form” und ab 1987 im Aufbau-Verlag publizieren. Seine Aphorismen und Essays zu Künstlern wie Wilhelm Rudolph und Arno Mohr weisen ihn als einen der großen Meister kleiner Prosa und unbestechlichen Zeitzeugen aus.
Es liest Ulrich Matthes
Moderation Sebastian Kleinschmidt
Ein Telefonkäufer, ein Schauspieler, ein Schriftsteller, ein verwirrter Internetblogger, eine Krimiautorin, eine Romanfigur und ein Abteilungsleiter in einem Mobilfunkkonzern – ein Figurenensemble in neun Episoden, die sich nach und nach zu einem geschlossenen Gesamtbild ordnen. Ruhm ist ein raffiniertes Spiel mit Realität und Fiktionen: ein Spiegelkabinett. Ein Buch über Ruhm und Verschwinden, Wahrheit und Täuschungen – voll unvorhersehbarer Wendungen, komisch und brillant.
In Zusammenarbeit mit: Berliner Ensemble, Deutsche Grammophon und Rowohlt Verlag
Eintritt: 15 / 7 €
Mit Rimini Protokoll und Wojtek Klemm
Moderation Frank Raddatz / Harald Müller
Rimini Protokoll ( Helgard Haug, Jahrgang 1969, Daniel Wetzel, Jahrgang 1969): Freie Theatertruppe, die zu akuten sozialen Themen theatralische Recherchen betreiben und zum Austrag bringen, zuletzt u.a. Das Kapital (2007)
Wojtek Klemm, Jahrgang 1974, Schauspieldirektor am Theater in Jelenia Gora, davor u.a. Regieassistent an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, polnische Erstaufführung von Brecht Brotladen (2007) am Stary Teatr in Krakow
Moderation Michael Opitz
Gunter Konarske und seine Frau Adele sind Träumer. Während der begnadete Arzt davon träumt, Nobelpreisträger zu werden, spielt im Traum seiner Frau Adele Adolf Hitler eine zentrale Rolle: Sie glaubt nämlich, dass sie die Tochter des Führers wäre. Kerstin Hensel blickt in ihrem grotesken Arztroman vor dem Hintergrund des “Rosenkavaliers” auf mehr als sechzig Jahre deutscher Geschichte zurück. Über mehrere Generationen verfolgt sie die Traumtänzereien der Familie Konarske und lässt, wie in einem Brennspiegel gebündelt, vergangen Geglaubtes wieder aufleben.
Paul Werner Wagner im biografischen Gespräch mit Ekkehardt Krippendorff
“Man weiß, mit welchem Nutzen die Nationen ihre Geschichte aufzeichnen. Den gleichen Nutzen hat auch der einzelne Mensch von der Aufzeichnung seiner Geschichte. Me-ti sagte: Jeder müsste sein eigener Geschichtsschreiber sein, dann wird er sorgfältiger und anspruchsvoller leben.” (Bertolt Brecht)
Von 1978 – 1999 war Ekkehart Krippendorff Professor für Politikwissenschaft und Politik Nordamerikas am John F. Kennedy-Institut der FU Berlin. Er ist ein Pionier der Friedensforschung und beschäftigt sich seit den 1980er Jahren auch mit politischen Inhalten in Werken der Literatur und Oper.
Mit Dimiter Gotscheff und Mark Lammert
Moderation Gunnar Decker / Harald Müller
Dimiter Gotscheff, Jahrgang 1943, aus Bulgarien stammender Regisseur und Schauspieler, seit den 70er Jahren kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Werk von Brecht und von Müller, zuletzt u.a. Hamletmaschine und Anatomie Titus im Bühnenbild von Mark Lammert
Mark Lammert, Jahrgang 1960, Bildender Künstler, frühe Zusammenarbeit mit Heiner Müller (u.a. Duell, Traktor, Fatzer, BE, 1993), zuletzt intensive Zusammenarbeit mit Dimiter Gotscheff
Moderation Sigrid Löffler
Das Jahr 1937 in Moskau: Eine neue Stadt soll entstehen, Russland in eine große Zukunft führen. Gigantische Bauprojekte, sowjetisches “Hollywoodkino”, Fliegerhelden begeistern die Massen. Parallel zu diesem Traum finden Schauprozesse und Massenverhaftungen statt. Stalin will das Land von einem angeblichen inneren Feind reinigen. Seiner Vernichtungsmaschinerie sind die Menschen ohne Unterschied ausgeliefert. Karl Schlögel entwirft ein Panorama des gewollten Aufbruchs und der praktizierten Zerstörung – und entreißt die Opfer des Terrors dem Vergessen.
Wolfgang Benz im Gespräch mit Frauke Meyer-Gosau
Ingeborg Bachmann, 1926 in Klagenfurt geboren, lebte in Wien, Ischia, Rom, Neapel, München, Zürich und Berlin, 1973 starb sie in Rom – selten war ein Schriftstellerinnen-Dasein so glamourös und rätselhaft, eine Schreib-Existenz derart rastlos. Nicht nur das Umherziehen, auch ein unablässiges Umherreisen gehörte zu dieser Biographie. Frauke Meyer-Gosau folgt der unruhigen Bewegung: Ihre literarische Reise führt an Ingeborg Bachmanns Lebens-Orte. Sie sucht Landschaften, Städte und Häuser auf, zieht das Werk zu Rate, Verwandte, Spezialisten und Freunde zeichnen ein bislang unbekanntes Bild von der einstigen Diva assoluta.
Dr. Frauke Meyer-Gosau, Jahrgang 1950, ist Redakteurin und Autorin der Zeitschrift Literaturen in Berlin.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Wir haben in diesem Monat kein Begleitprogramm angeboten.