Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im Oktober 2009.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Moderation Peter Staengle
Die von Achim von Arnim und dem Publizisten Adam Müller am 18. Januar 1811 ins Leben gerufene Deutsche Tischgesellschaft war einer der einflussreichsten Vereine Berlins, zu dessen Mitgliedern Brentano, Fichte, Schleiermacher, Schinkel und Clausewitz gezählt haben.
Erstmals liegen nun alle überlieferten Dokumente der Tischgesellschaft in einer wissenschaftlichen Edition vor. Stefan Nienhaus, ebenfalls Autor einer großen Monographie zum Thema, öffnet damit den Giftschrank der Berliner Romantik und ihrer Klischees. Im Inventar: Antisemitismus, Verhöhnung des Philistertums, Verachtung von Toleranz und Aufklärung.
Mit Christoph Rüter und Angela Winkler
Porträt (Deutschland, 2004, 52 Min.)
Anlässlich des sechzigsten Geburtstags von Angela Winkler entstand im Jahr 2004 im Auftrag von ARTE und unter Anleitung des Regisseurs Christoph Rüter ein Film über die berühmte Schauspielerin. Der Film Sei einfach und stolz zeigt die zwei Welten der Angela Winkler: zum einen die intensive Arbeit an der Mutter Courage und ihre Kinder und zum anderen die nicht weniger intensive Lebensweise auf dem Lande.
Moderation Thomas Diecks
Mit der Doppelbiografie des Ehepaares Caroline und Wilhelm von Humboldt hat die Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch eine Art Reiseführer der Moderne Europas geschrieben. Sie beleuchtet mit kritischer Sympathie eine Beziehung zweier ebenbürtiger Charaktere, die ihrer Zeit voraus waren und geprägt durch Weltneugier, Bildung und Kunstsinn eine Liebe auf gleicher Höhe führten. Anhand zahlreicher Briefe, die sich das Paar über Jahrzehnte auf ihren häufig getrennten Reisen geschrieben hat, zeichnet Hazel Rosenstrauch das Bild der starken, unabhängigen sowie weltoffenen Caroline und des großen Reformers Wilhelm von Humboldt.
Moderation Wiebke Porombka
1984 reist die halbe Republik ins Wendland, um gegen die Castor-Transporte zu protestieren. Auch der siebzehnjährige Florian macht sich mit seinen Freunden auf den Weg. Jo Lendle, Jahrgang 1968, erzählt in seinem neuen Roman von einer Gruppe junger Menschen, die ein klares Ziel vor Augen haben und doch nicht wissen, was sie tun. Ein Roman über vergangene Utopien, ein Porträt der – eben auch – untergegangenen alten Bundesrepublik und zugleich ein Generationenporträt der heute um die Vierzigjährigen.
Moderation Gabriele von Arnim
Zwei Frauen begegnen einander im winterlichen Park. Sie ahnen nicht, wie ihrer beider Leben verwoben ist. Die eine ist blutjung, hochschwanger und mutterseelenallein. Die andere, alt und gebrechlich, verliert mehr und mehr den Bezug zur Welt und weiß: Fürs Erinnern bleibt nicht mehr viel Zeit. Warum nur fühlt Juli sich der alten Frau so nah? Spürt sie, was Klara und das Kind in ihrem Leib verbindet? Alle Zeit erzählt, wie ein tragisches Ereignis die ohnehin lose verknüpften Familienbande endgültig kappen konnte und weshalb das Baby und die vergessliche Frau mehr als drei Generationen trennen. Eine Geschichte über das Altwerden, das Neugeborensein und eine Liebe am Ende des Lebens.
Jörg Magenau im Gespräch mit der Autorin
In einer Buchhandlung stößt sie auf einen Lyrikband, liest die Gedichte und verliebt sich in den Dichter, dessen Namen sie noch nie zuvor gehört hat. So beginnt eine leidenschaftliche, vernichtende Beziehungsgeschichte. Sie ist eine Schriftstellerin aus Westdeutschland, er lebt in der fernen DDR, doch bald steht er, ausgestattet mit einem Jahresvisum, vor ihrer Tür. Natascha Wodin, die mit Wolfgang Hilbig verheiratet war, schildert die Beziehung zweier Menschen, die rettungslos aufeinander angewiesen sind und es miteinander nicht aushalten. Ihr schonungsloser Roman Nachtgeschwister ist ein eindrucksvolles Gegenstück zu Wolfgang Hilbigs Provisorium.
In Zusammenarbeit mit LITERATUREN
Moderation Hannes Heer
Am 9. Juni 1944 erhängte die SS-Division Das Reich 99 Zivilisten in der französischen Stadt Tulle. Der SS-Kommandeur Lammerding lebte trotz eines französischen Todesurteils unbehelligt in Deutschland bis zu seinem Tod 1971, und die mitverantwortlichen deutschen Armee- und Polizeiführer wurden gerichtlich nicht für die Morde von Tulle belangt. Der Autor legt eine äußerst gründliche und spannende Recherche vor. Unter Einbeziehung zahlreicher Zeugen und weitreichender Archivforschungen in Frankreich und Deutschland entstand die vierbändige Untersuchung.
In Zusammenarbeit mit der Vertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens in Berlin
Moderation Stephan Lahrem
Im April 1941 werden sieben kanadische Frauen zu Kriegsgefangenen, als ihr Schiff auf dem Atlantik von einem deutschen Kaperkreuzer versenkt wird. Es beginnt eine Odyssee durch verschiedene deutsche Internierungslager, bis man sie schließlich in einen Zug nach Berlin setzt, ohne irgendjemanden über ihre Ankunft zu informieren. So finden sich die Frauen plötzlich als Fremde mitten im Herzen Nazi-Deutschlands wieder, fangen an, ihr Leben zu organisieren und Kontakte zu knüpfen. Erst im Juni 1942 gelangen die Sieben im Zuge eines Gefangenenaustausches in ihre Heimat zurück. Die Autorin erzählt anhand von Tagebüchern und Berichten der Beteiligten diese bizarre, aber in jedem Detail belegte Geschichte.
Wiebke Porombka im Gespräch mit der Autorin
Exzentriker, Narren und Vernarrte sind sie allesamt, die Männer, die sich im Wiener Kaffeehaus „Neugröschl“ treffen. Jeder von ihnen steht irgendwie verrutscht im Leben, und jeder wird der geheimnisvollen und wankelmütigen Aushilfskellnerin Klara verfallen und sie bald wieder verlieren. Verena Roßbacher erzählt in ihrem Debütroman in einer eigentümlich schillernden und musikalischen Sprache über die Absonderlichkeiten des Lebens und der Liebe, ein wenig aus der Zeit gefallen und doch ganz und gar gegenwärtig.
In Zusammenarbeit mit DAS MAGAZIN
Wolfgang Benz im Gespräch mit Hans Otto Bräutigam
Fast sein ganzes Berufsleben stand im Zeichen der deutschen Teilung. In den sehr persönlichen Erinnerungen Bräutigams spiegelt sich ein wichtiges Kapitel deutscher Zeitgeschichte: von den Anfängen der Ständigen Vertretung über die Vertreibung Reiner Kunzes aus der DDR und der Biermann-Krise bis hin zu den zuweilen schwierigen Verhandlungen mit der eigenen Regierung. Hans Otto Bräutigam liefert in seinen Memoiren ein eindringliches Zeugnis vom zähen Ringen um das deutsch-deutsche Verhältnis. Nach einer kurzen Zeit als deutscher UN-Botschafter in New York (1989/90) holte ihn Manfred Stolpe als Minister für Justiz, Bundes- und Europaangelegenheiten nach Brandenburg, wo er bis 1999 tätig war. Er lebt heute in Berlin.
Wir feiern das 15jährige Jubiläum unserer Reihe und laden ein zur 150. Veranstaltung.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Moderation Knut Elstermann
Der Erzähler wird eingeladen zu einer Podiumsdiskussion unbekannter DDR-Untergrunddichter. Überrascht und widerwillig nimmt er Einblick in seine Stasi-Akte, weiß er doch gar nichts davon, jemals als Dichter aufgetreten oder gar auffällig geworden zu sein. Und macht einen unglaublichen Fund.
In der Reihe „Krise, Umbruch, Neuanfang. Das Jahr 1989, die Wende und ihre Folgen in der Literatur“
Mit Wolfgang Engler und Jens Reich
Moderation Jörg Magenau
1989 kollabierte der Staatssozialismus Osteuropas, und die DDR wurde bald von der Bundesrepublik übernommen. Was als „Wende“ bezeichnet wird, war für viele nicht mehr als ein „Anschluss“, denn die Möglichkeiten für einen gemeinsamen Neuanfang wurden verpasst. Steht die Wende noch aus? Was können wir in den Zeiten von Finanzkrise und „Ende des Kapitalismus“ aus den Erfahrungen des Jahres 1989 lernen?
Moderation Alfred Eichhorn
Badetag war in der DDR meist freitags, so auch in der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen. Davon und vielem anderen erzählen Salli Sallmanns autobiografische Berichte und Geschichten vom DDR-Alltag der Sechziger und Siebziger Jahre, mithin der Kernzeit der DDR. Auch vom Badetag in einer viel zu engen Mehrfamilien-Wohnung in Leipzig ist die Rede in diesem Schelmenstück politischer Erinnerung an die DDR.
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