Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im Mai 2009.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Autoren lesen Texte von Volker Braun
Es lesen Christoph Hein, Kerstin Hensel, Bert Papenfuß, Jens Sparschuh, Ulla Unseld-Berkéwicz, Christa Wolf und Gerhard Wolf
Moderation Michael Opitz
„Lern harmlos lesen“ lautet Volker Brauns Empfehlung in dem Gedicht Die Gezeiten. Gegen eine solche Lesart sträuben sich allerdings vehement die Texte des Lyrikers, Prosaautors und Dramatikers, der am 7. Mai 2009 seinen 70. Geburtstag feiert. Aus diesem Anlass grüßen vorab Freunde und Kollegen den Jubilar.
In Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag
Konrad Reich im Gespräch mit dem Autor der Biografie, Gunnar Decker
Franz Fühmann war in der DDR neben Christa Wolf wohl derjenige Autor, der den „Projektionsraum Romantik“ am stärksten vergegenwärtigte. Von Barlach über Trakl bis zum Bergwerksprojekt wurde ihm die Erfahrung mit Dichtung zum Anstoß einer tiefgreifenden Wandlung. Fühmann schrieb buchstäblich um sein Leben. Ein Bekenner, der romantischen Versöhnungstraum und schneidende Skepsis in sich vereinigte. Dass er sich an seinem Lebensende als Gescheiterten ansah, heißt nur, dass er die trügerischen Illusionen allen (scheinbaren) Gelingens endgültig hinter sich gelassen hatte.
Wiebke Porombka im Gespräch mit der Autorin
Irgendwo am Rande der Welt und doch mitten in Europa träumen Menschen von der Liebe und der Freiheit. Esther Kinsky erzählt in ihrem ersten Roman die Geschichte eines drückend heißen Sommers in einem kleinen ungarischen Dorf, und sie erzählt die Geschichte einer tragisch scheiternden Liebe. Die sinnliche und virtuose Sprache Kinskys nimmt den Leser mit auf eine Reise, die ihn verändert zurücklässt.
In Zusammenarbeit mit DAS MAGAZIN
Paul Werner Wagner im Gespräch mit Burghard Ciesla
Der Zeithistoriker Burghard Ciesla hat sich unlängst im Buch Zwischen den Zeilen. Geschichte der Zeitung Neues Deutschland einem bisher erstaunlich wenig beachteten Thema genähert. War das ND vor 1990 nur das Zentralorgan der SED oder auch eine sozialistische Tageszeitung? Welche Spielräume hatten die Zeitungsmacher? Gab es spannende Ansätze die Zeitung publikumswirksamer zu machen? Was ist daran, dass die geübten ND-Leser die Wahrheiten zwischen den Zeilen fanden.
Mit den Herausgebern Stefanie Oswalt und Friedhelm Greis
Moderation Heribert Prantl
Die Weltbühne war das Forum der intellektuellen, bürgerlichen Linken der Weimarer Republik. Die kleinen roten Hefte stehen noch heute für einen Journalismus, der scharfsinnige Analyse, eine kompromisslose Suche nach der Wahrheit, Meinungsvielfalt und höchstes sprachliches Niveau miteinander verbindet. In einer Diskussion mit dem Journalisten Heribert Prantl erläutern die Herausgeber, warum sie kürzlich ein Lesebuch zur Weltbühne veröffentlicht haben und warum sich die Lektüre der Zeitschrift immer noch lohnt.
Mit Jan Faktor und Anna Bolecka
Moderation Dorota Danielewicz
Anna Boleckas Roman Der weiße Stein erzählt von ihrem jüdischen Urgroßvater, der in den östlichen Provinzen des Vorkriegspolens lebte. Die Autorin hat ihren Vorfahren nie kennen gelernt, sie versucht lediglich intuitiv sich der Gestalt des jüdischen Ahnen zu nähern. Das Ergebnis ist ein sehr gelungener, feinfühliger Roman, der die verlorene, multikulturelle Welt der polnischen Kresy (Grenzland) überzeugend darstellt. Jan Faktor dagegen begibt sich auf eine durchaus reale Reise in die Vergangenheit seiner Familie, nach Tschechien. In seinem noch unveröffentlichten Roman kommt die jüdische Geschichte seiner Familie zutage, einer Familie, die zwischen Böhmen und Schlesien angesiedelt, den Wirren der Geschichte des 20. Jahrhunderts trotzte.
Moderation Anette Handke
“Es klappert um sie herum”, als Helene das erste Mal erwacht, und sie hört die Stimmen ihrer Eltern. Augen öffnen – Fehlanzeige. Wieder ein Erwachen, sie öffnet ein Auge, sieht ihre Tochter und ihren Mann. “My husband”, sagt sie, aber warum lacht niemand, warum weint die Tochter? Die Protagonistin in Kathrin Schmidts viertem Roman arbeitet sich nach einer schweren Krankheit ins Leben zurück. Aphasie, Amnesie muss sie überwinden, sich Erinnerung für Erinnerung, Wort für Wort ihrer selbst neu versichern.
Stefan Heym „Ein sehr guter, zweiter Mann“ (1960/1966)
Szenische Lesung mit Einspiel DEFA-Wochenschau „Der Augenzeuge“ Nr. 223/1966
Es lesen Jana Kozewa und Alexander Höchst
Im Gespräch Heiner Henninger
Konzeption und Moderation Günter Agde
Ein streitfreudiges Film-Pamphlet um zwei versierte DDR-Brückenbauer, die mit ihrer Arbeit das Ansehen ihres Landes im Ausland stärken, die sich charakterlich und politisch immer weiter auseinander entwickeln, aber Partner bleiben müssen. Intrigen als Karrierehilfen, Feilschen um Anerkennung mittels Propaganda und dumpfer Presse – und/oder Wahrhaftigkeit mit Resignation und Alkohol. Und mittendrin – natürlich – eine Frau.
In Zusammenarbeit mit Progress-Filmverleih
Wolfgang Benz im Gespräch mit Hans Dieter Schell und Angelika Benz
Moshe Beirach, geboren 1918 in Pabianice, einer kleinen Stadt 17 km westlich von Łódź, lebt mit seinen Eltern und drei Geschwistern in beengten Verhältnissen, als im September 1939 die deutschen Truppen in Polen einmarschieren. Von dramatischen Fluchten vor den Nazis und sowjetischen Machthabern, von Ghettos und Arbeitslagern berichtet Beirach und gewährt dabei Einblick in das Leben mit den Partisanen, bis im Juni 1944 die Rote Armee das Partisanenlager erreicht. Moshe Beirach und seine Frau Pesia verbleiben noch bis November 1945 in der Sowjetunion und wandern dann nach Palästina aus, wo sie eine Familie gründen.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Richard Pietraß im Gespräch mit Wulf Kirsten
Als Sohn eines bäuerischen Steinmetzes den eindringlichen Umgang mit dem Wort früh vor Augen, findet der 1934 elbnah geborene, weit vom Vaterdorf, in Weimar lebende Dichter die ihm gehörende Aktionsfläche und seinen Gravurgrund: das zu den meißnischen Hochufern zählende Miltitzer Ländchen. Das Verschmelzen von Kindheitsbildern mit den Erscheinungen des wurzelhungrigen Wanderers ermöglicht jene lapidar eigene, wort- und wertebewahrende Landschaftsdichtung, für die Wulf Kirsten weithin geschätzt und immer wieder geehrt wird.
Mit Wolfgang Emmerich, Raimund Fellinger, Frank Hörnigk
Moderation Michael Opitz
Die Bilanz kann vorläufig sein, aber der Versuch sei gewagt, nach Bleibendem im Werk von Volker Braun zu fragen. In seinen letzten Arbeiten betont der Autor von Machwerk den Aspekt des „Machens“. Vom „Machen“ ist auch in Brechts Gedicht Vom Nutzen der Arbeit an großen Modellen die Rede, in dem es heißt: „Gleichermaßen gefährlich und nützlich ist auch das Machen/Einleuchtender Bilder“. Unter diesen Aspekten wird das Werk Volker Brauns diskutiert.
In Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag
Wir haben in diesem Monat kein Begleitprogramm angeboten.