Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im Juli 2009.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Christina von Braun im Gespräch mit Monika Gsell und Mithu M. Sanyal
Was nicht existiert, benötigt keinen Namen, und was keinen Namen hat, existiert nicht. Zwei Autorinnen haben sich auf die Suche gemacht. Sie fragen nach den Orten, den Formen und den Bedingungen der Darstellbarkeit jenes Körperteils, das im “Imaginären stets nur mit einer Lücke versehen” (Lacan) sein soll. Sie finden zahlreiche kulturelle Bilder des weiblichen Genitals.
Mit Richard Maschke und Klaus Korba
Gezeigt wird eine spannende Collage aus Lesung, szenischer Darbietung und kleineren musikalischen Einlagen. Die Schauspieler spielen die valentinesken Kellnerfiguren Franz und Karl eines bankrotten Vorstadttheatergasthauses mit beißendem Sarkasmus, Witz und Herz. Alles wird von ihnen erwartet und nichts wird ihnen geschenkt werden, so gut gerüstet für das Leben, wird ihnen ihre blühende Zukunft zur unverstellten Vergangenheit, denn wenn die Chose aus ist, dann fängt’s von vorne an.
Das Motto liefert ein Gedicht des späten Brecht über das Lesen von Büchern und Beeren: Glückliche Begegnung. Das Literaturforum im Brecht-Haus, das Bertolt-Brecht-Archiv, die Brecht-Weigel-Gedenkstätte und das Kellerrestaurant laden erneut gemeinsam ins Brecht-Haus ein. Ab 16 Uhr werden Sonderführungen durch die Wohnungen des Künstlerpaares und über den Dorotheenstädtischen Friedhof angeboten. Es gibt ein Kinderprogramm (für Kinder von 5 bis 12 Jahren), Filme werden gezeigt, und das Archiv präsentiert ausgewählte Schätze. Ab 19 Uhr lesen KARIN KIWUS, PETER VOIGT und ERDMUT WIZISLA aus Erinnerungen an Brecht. Die musikalische Begleitung übernimmt AKIRA ANDO. Das Kellerrestaurant ist geöffnet und bietet pikante und süße Kleinigkeiten aus Helene Weigels Küche an sowie Speisen à la carte.
Sigrid Löffler im Gespräch mit dem Autor
Hineingeboren in eine der prominentesten Familien der Zeit, aufgewachsen in der Weimarer Republik, war er ein früher Kritiker des Nationalsozialismus. Die Emigration führte ihn über Frankreich und die Schweiz in die USA. Nach seiner zögerlichen Rückkehr nach Europa folgte mit dem Wallenstein und der Deutschen Geschichte die späte Anerkennung des Historikers Golo Mann. Nun legt der Historiker Tilmann Lahme eine unverklemmte, leise, viel Neues bietende Biografie vor, in der er detailliert nachzeichnet wie schwer es für den Remigranten und Freidenker Mann war, sich in West-Deutschland und seinem Universitätsbetrieb zu etablieren.
Mit Adam Zagajewski und Sebastian Kleinschmidt
Moderation Basil Kerski
Lyrik und Essayistik sind jene Gattungen in der polnischen Literatur, die am deutlichsten ihre eigene Stimme entwickelt haben, in Gedichten und Essays fanden die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts ihren besonderen polnischen und zugleich universellen Ausdruck. Ein Meister beider Gattungen ist Adam Zagajewski. Sein Freund Sebastian Kleinschmidt fördert beide Literaturgattungen in der von ihm geleiteten Zeitschrift Sinn und Form und zählt selbst zu den renommiertesten Essayisten in Deutschland. Gemeinsam mit Basil Kerski sprechen beide Autoren über Traditionen und die Bedeutung des Essays.
In Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Polnischen Magazin DIALOG
Johnsons Werk, nach seinem Tod 1984 für beinahe ein Jahrzehnt im Abseits, erweist sich unter der Beleuchtung des Nachhinein als unverbraucht von der verrinnenden Zeit. Es enthält ein Reservoir an Fragen, die nach dem Untergang der DDR eher verschärft als erledigt sind. Der Erzähler spielt in seinen Romanen ein jeweils anderes Deutschland vor als gerade erwartet. Der Outsider war auf keiner Seite zuhause, das sicherte seinem Blick die unbestechliche Schärfe eines Unbeheimateten. Der Reichtum an Irritierendem, der dabei entstand, ist unverjährt. Der Berliner Literaturkritiker und Publizist Wilfried F. Schoeller spricht über dieses Erbe.
Stefan Reinecke im Gespräch mit dem Autor
In einer historischen Analyse zeigt Herfried Münkler, wie Mythen unsere nationale Identität geformt haben und welch motivierende und mobilisierende Kraft ihnen inne wohnt – im Positiven wie im Negativen. Dabei erweckt er alte Sagen – etwa um die Nibelungen – zu neuem Leben, besichtigt schicksalhafte Orte wie Weimar, Nürnberg und stellt den Zusammenhang von Politik und Mythen dar. Nach 1945 erblühte die Bundesrepublik im Mythos vom “Wirtschaftswunder”, die DDR richtete sich am “antifaschistischen Widerstand” auf.
Moderation Kristin Schulz
”Lothar Trolle ist eine Figur aus einem Text von Lothar Trolle. Sein bürgerlicher Name lautet Kaspar Hauser. Von seinem Namensvetter hat er den fremden Blick auf die Wiederkehr des Gleichen in der Tretmühle des Alltags und die Ahnung von einem endgültigen Schrecken, der seine Clownerien schwarz grundiert. Im Übrigen gleicht er nur sich selber, kratzen Staats- und Sonnenuntergänge nicht an seiner Identität, er glaubt im Gegensatz zu Herrn Keuner nicht an Rolltreppen und Regenschirme und weicht Gesprächen über Bäume nicht aus.” (Heiner Müller) Lothar Trolle selbst lässt Heiner Müller im VP-Krankenhaus schmoren, Goldhähnchen und Waldlaubsängermännchen zwitschern, Geier sich bei den Göttern beliebt machen oder ein Kind sich den Weltuntergang Berlin II phantasieren, nachdem Noah mühsam den ersten Stein als Verheißung der Wüste gepriesen hat- “Nach der Sintflut” vereint Trolles gesammelte Werke, 2007 erschienen im Alexander Verlag / henschel Schauspiel, aus denen und aus neueren Texten der Autor lesen wird.
Ort: Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für deutsche Literatur, “Heiner Müller Archiv / Transitraum”, Sitz: Dorotheenstr. 24, 10117 Berlin, Raum 3.444.
Eine Gemeinschaftsveranstaltung des “Heiner Müller Archivs / Transitraum” der HU und des Literaturforums im Brecht-Haus
Wiebke Porombka im Gespräch mit dem Autor
Die alte Geschichte vom Aufbruch einmal ganz neu und anders erzählt: Der Stuttgarter Versandhauslogistiker Matthias Bleuel muss eine Dienstreise in die sibirische Provinz antreten. Als er dort den Gesang der schamanischen Sängerin Ak Torgu hört, wird aus dem schüchternen Bleuel ein leidenschaftlich Liebender, der alles daran setzt, ein neues Leben zu beginnen. Ein Roman über ein fernes Land und eine Musik, wie sie fremder und magischer kaum sein kann.
In Zusammenarbeit mit DAS MAGAZIN
Die Veranstaltung wird aus Mitteln des Förderungsprogramms Grenzgänger der Robert Bosch Stiftung unterstützt
Mit Chryssoula Kambas, Barbara Hahn und Karlheinz Barck
Moderation Michael Opitz
Benjamin interessierten die kleinen Dinge, er war versessen auf das Detail und achtete auf das Vergessene. Absicht dieser Ästhetik des Kleinen war es, in der Analyse der Einzelmomente jene Zusammenhänge zu entdecken, durch die sich das Ganze auszeichnet. Diese Aufmerksamkeit gegenüber dem Winzigen zwingt zur Konzentration. Das Unscheinbare wird für wichtiger erachtet als das, was sich in den Vordergrund drängt. Zu welchen Ergebnissen diese Ästhetik führt, soll an diesem Abend Thema des Gesprächs sein. Zum Auftakt wird der Film Walter Benjamin von David Wittenberg gezeigt.
Mit Heinz Brüggemann und Burkhardt Lindner
Moderation Michael Opitz
Benjamin spricht in einem Eintrag im Passagen-Werk von der “Mikrokosmischen Reise, die der Träumende durch die Bereiche des eigenen Körpers macht”. Bei dieser Reise ins eigene Innere achtet der Träumende auf jedes Geräusch und sucht nach Erklärungen. “Diese geschärfte Aufmerksamkeit, hat das träumende Kollektivum, das in die Passagen sich als in das Innere seines eigenen Körpers vertieft”. Benjamin hat bei den Großstadterkundungen in den Pariser Passagen und den Berliner Straßen seinen Sinn fürs Detail geschärft.
Mit Ursula Marx, Uwe Steiner und David Wittenberg
Moderation Michael Opitz
Benjamins mikroskopisch kleine Schrift ist für jeden Archivar und Forscher eine Herausforderung. Es war Benjamins Ehrgeiz, ‚hundert Zeilen auf eine normale Briefseite zu bringen’, wie sein Freund Scholem berichtet. In der Schrift, die etwas Geheimnisvolles hat, zeigt sich, was als methodisches Verfahren den Benjaminschen Texten zugrunde liegt. Das Kleine muss gesammelt und aufmerksam entschlüsselt werden. Schrift bleibt zu entfalten und “in den Falten erst sitzt das Eigentliche”, schreibt Benjamin in der Berliner Chronik. Ursula Marx vom Benjamin Archiv wird an Schriftproben und anderen Beispielen auf die Benjaminsche Mikroskopie verweisen.
Es liest Horst Hiemer
Moderation Michael Opitz
Walter Benjamin war nicht nur Wissenschaftler und Kritiker, sondern seine Prosaarbeiten Einbahnstraße, Berliner Chronik und Berliner Kindheit um 1900 sind von einzigartiger Schönheit. Besonders an diesen Texten zeigt sich, was Hannah Arendt an Benjamin beeindruckte: “dass er dichterisch dachte”. Auch in diesen Texten zeigt sich Benjamins Vorliebe für die kleine Form. Er bevorzugte die Miniatur, die Glosse und den Aphorismus.
Mit Katja Lange-Müller und Marcel Beyer
Moderation Jörg Magenau
Die Erfahrung, plötzlich in einem anderen Land zu leben, vom Sozialismus in den Kapitalismus zu geraten, haben die Autoren vorweggenommen, die schon vor 1989 in den Westen gegangen sind. Wie ist ihr Blick auf den Westen? Und wie erzählt man als Westler von der DDR?
Wir haben in diesem Monat kein Begleitprogramm angeboten.