Veranstaltungsprogramm – September 2009

Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im September 2009.

Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Lesungen/ Buchvorstellungen/ Filme … []

Do. 03.09. 20 Uhr
Buchvorstellung

Sibylle Lewitscharoff „Apostoloff“

Moderation Marina Neubert

Eins steht nach dem fulminanten Erfolg von Sibylle Lewitscharoffs Apostoloff in diesem Frühling mit Sicherheit fest: Sie hat mit ihrer erzkomischen Road-Novelle durch Bulgarien das Land ihres Vaters zu einer postkommunistischen Ruine erklärt und damit die Nation gespalten. Deutsch lesende Bulgaren scheinen sich in Pro- und Anti-Apostoloffs aufgeteilt zu haben: Man liebt das Buch oder man hasst es. Der Schriftsteller Ilija Trojanow liebt es. Der Dramatiker Boris Todorow hasst es. Apostoloff muss schon viel in sich haben, um gleichzeitig so leidenschaftlich geliebt und gehasst zu werden. Und beides – wohl gemerkt – von ganzem Herzen.

Di. 08.09. 20 Uhr
Buchvorstellung

Thomas Kraft „Jakob Wassermann. Biografie“

Jakob Wassermann, der Sohn eines jüdischen Spielwarenfabrikanten aus Fürth, gehörte zu den meistgelesenen Autoren der Weimarer Republik. Mit den Romanen Kaspar Hauser und Der Fall Mauritius erlangte er internationalen Ruhm. Thomas Kraft beschränkt sich jedoch nicht allein auf eine typische Werkbiografie: er bezieht auch Wassermanns zeit- und entwicklungsgeschichtlichen Kontext mitsamt den politischen und literarischen Umbrüchen seiner Zeit ein.

Mi. 09.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Dichterleben

Richard Pietraß im Gespräch mit Thomas Böhme

Leipziger von Geburt und Passion, kehrt der 1955 geborene einstige Bibliothekar seinem Pleißeparadies immer wieder lustreisend den Rücken. Seiner entgrenzten Phantasie sprießen Schwungfedern, die ihn in Sphären tragen, die dem Philister verschlossen sind. Verlaine, Whitman und George heißen seine Alten Meister, Pasolini, Ginsberg und Kerouac die neueren. Der überbordende Asket grübelt über die Anfänge des Gedichts und zerbricht sich in kontrolliertem Rausch den Schädel darüber, wer wen verlässt, der Dichter das Gedicht oder das Gedicht den Dichter.

Do. 10.09. 20 Uhr
Buchpremiere

Annette Simon „Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin“ – Versuch über ostdeutsche Identitäten

Ludger Hermanns im Gespräch mit der Autorin

20 Jahre nach der friedlichen Herbstrevolution erscheinen alte wie auch neue Essays und Vorträge der Psychoanalytikerin zum deutschen Vereinigungsprozess. Die Veränderungen und Verwerfungen der ostdeutschen Identität, die Wurzeln des Rechtsradikalismus und die Auswirkungen der Überwachung der Staatssicherheit auf die Psyche sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Buches. In Lesung und Gespräch werden Simon und ihr Westberliner Kollege Hermanns sich diesen Themen nähern.

Di. 15.09. 20 Uhr
Literarisch-musikalisches Programm

„Mein alter Bruder Namenlos“ – Lieder und Gedichte von Louis Fürnberg zum 100. Geburtstag des Dichters

Rezitation Alena Fürnberg

Gesang Anna Haentjens

Klavier Siegfried Gerlich

Die Hoffnung des deutsch-jüdischen Dichters Louis Fürnberg, alt wie ein Baum zu werden, hat sich nicht erfüllt. Er starb bereits mit 48 Jahren 1957 in Weimar. Aber sein wehmütig-schönes Gedicht lebt, und lebt auch in einem Lied der Puhdys fort: „Alt wie ein Baum möchte ich werden, genau wie der Dichter es beschreibt…“. Fürnbergs Schaffen umfasst Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke und Essays. Seine politische Lyrik ist stark geprägt von seiner Zeit als Agitprop-Dichter, und oft hat man den Eindruck, er schrieb gegen seine eigenen Zweifel an, denn ein Selbstgerechter war er nie.

Mi. 16.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Magdalena Tulli „Getriebe“

Esther Kinsky im Gespräch mit der Autorin

Übersetzerin Dorota Stroinska

„Welten erschaffen! Nichts ist leichter als das.“ Mit diesen Worten beginnt die polnische Autorin Magdalena Tulli ihren dritten Roman Getriebe, der 2008 auf Deutsch erschien. Die Autorin führt hier ihre Auseinandersetzung mit dem Thema der „Geschichte“ in beiderlei Bedeutung des Wortes fort. Getriebe ist eine komplex konstruierte Betrachtung der scheinbaren menschlichen Hilflosigkeit angesichts der ewigen Wiederkehr in der Geschichte.

Do. 17.09. 20 Uhr
Lesung und Werkstattgespräch

Erzählte Zeit

Matthias Frings „Der letzte Kommunist“. Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau

Annett Gröschner im Gespräch mit dem Biografen

Der Schriftsteller Ronald M. Schernikau (1960–1991) war in der Westberliner Szene der achtziger Jahre eine exzentrische Figur. Früh bekannt geworden mit der provokanten “Kleinstadtnovelle”, entscheidet er sich noch zu Mauerzeiten zum Entsetzen seiner Freunde für einen Wechsel an das Leipziger Literaturinstitut, wo er als einziger Westdeutscher studiert und wenige Wochen vor dem Mauerfall 1989 die DDR-Staatsbürgerschaft annimmt. Matthias Frings, Freund und Weggefährte Schernikaus in Westberlin, hat eine höchst subjektive Biografie über Ronald M. Schernikau geschrieben, die zugleich auch Zeit- und Sittengeschichte ist.

Mo. 21.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Jutta Voigt „Westbesuch“

Dieter Hildebrandt im Gespräch mit der Autorin

Der Titel des Buches weckt Erinnerungen an Willkommen und Abschiede, Umarmungen und Entfremdungen. Die Ost- und die Westdeutschen kannten sich besser als man nach 1989 allgemein annahm. Die einen freuten sich auf Geschenke, die anderen genossen die Bewunderung. Die Besuchszeit ist vorbei aber die Suche nach einander findet kein Ende.

Di. 22.09. 20 Uhr
Buchvorstellung

Wilhelm Genazino „Das Glück in glücksfernen Zeiten“

Moderation Verena Auffermann

Als promovierter Philosoph auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen ist nicht leicht, und so arbeitet sich Gerhard Warlich „überqualifiziert, deswegen aber doch nicht unfähig“ vom Ausfahrer einer Wäscherei zum Geschäftsführer hoch und baut sich so eine zwar wenig aufregende, dafür aber sichere Existenz auf. Genazinos melancholisch empfindsamer Held leidet unter der allgemeinen Ödnis des Wirklichen, doch als sich seine unkomplizierte Freundin ein Kind wünscht, gerät sein Leben vollkommen aus den Fugen. Eine Strategie Warlichs, seiner eigenen Tragik zu entkommen, ist die Suche nach Glück in den (für ihn) glücksfernen Zeiten.

Do. 24.09. 20 Uhr
Lebenszeugnisse

„Fritz Bauer – Biographie eines Juristen aus ‚Freiheitssinn’“

Wolfgang Benz im Gespräch mit Irmtrud Wojak

In einem politischen Klima des Stillschweigens und Wegsehens betrieb Fritz Bauer – als Generalstaatsanwalt – Aufklärung und juristische Richtigstellung im Blick auf den deutschen Widerstand und arbeitete an der Verfolgung der NS-Verbrechen. So war er maßgeblich an den Vorbereitungen der Frankfurter Auschwitz-Prozesse beteiligt und trug wesentlich zur Ergreifung Adolf Eichmanns in Argentinien bei. Fritz Bauer hielt der westdeutschen Wirtschaftswunder-Gesellschaft in der Ära Adenauer den Spiegel vor. Die von ihm geforderte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit löste bei vielen Nachkriegsdeutschen heftige Abwehr aus. Und so verwundert es nicht, dass der unbequeme Mahner „gegen den Schlussstrich“ zu Lebzeiten von vielen angefeindet wurde und sich isoliert fühlte. Erst posthum wurde Fritz Bauer für sein Engagement als großer Humanist und Kämpfer für die Gerechtigkeit geehrt.

In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung

Di. 29.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Krise, Umbruch, Neuanfang.

Das Jahr 1989, die Wende und ihre Folgen in der Literatur IV

„Erzählen nach 1989“

Mit Jochen Schmidt und Julia Schoch

Moderation Jörg Magenau

Die Literatur der letzten zehn Jahre wurde stark von jungen Autoren geprägt, die in der DDR aufwuchsen, doch erst danach zu publizieren begannen. Es scheint so, als hätten sie mehr zu erzählen. Welche Rolle spielt für sie die Herkunft aus der DDR und die Erfahrung der Wende? Haben Sie einen anderen Blick auf die Gegenwart?

Ausstellungen/ Seminare/ Workshops … []

04.09.-22.10.2009
Ausstellung

Daniela Comani "Eine glückliche Ehe" – Fotos

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