Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im November 2010.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Mit Uta-Maria Heim und Joseph Vogl (Kulturwissenschaftler)
Moderation Thomas Wörtche
Als die Polizei um 1850 die positiven Wissenschaften für sich entdeckte, rief sie einen ästhetisch wertvollen Berufszweig ins Leben: den autonom rationalen Ermittler. Mit ihm stürzt sich seither der Kriminalroman ins Verbrechen, um die Schätze des Bösen zu heben: banale bis geile Kriminelle in schwülen bis cleanen Milieus. Uta-Maria Heim entfesselt dabei sogar die krummen Mächte des Schwabenlands und stellt sie raffiniert zur Rede (in „Wespennest“ und „Totenkuss“). Woher kommt der Reiz des Kriminalromans? Welche bewegte Geschichte hat er hinter sich?
Moderation Peter Böthig
Aus Notwehr hat sie ihn verlassen. „Man konnte mit ihm nicht zusammenleben“, so Mary Tucholsky über den Mann, mit dem sie vier Jahre verheiratet war. Ihre Liebesgeschichte begann im ersten Weltkrieg. Sie war beides und manchmal beides zur gleichen Zeit: Liebesgeschichte und Tragödie, ein Auf und Ab aus Glück und Enttäuschung, Sehnsucht und Trennung. Mit der Geschichte von Mary und Kurt Tucholsky ist Klaus Bellin ein überzeugender Essay, ein schnörkelloses Buch gelungen.
Moderation Lothar Müller
„Meine Oma ist in einem KZ umgekommen.“ Dieser Satz ist Ausgangspunkt der Familiengeschichte, die Erich Hackl erzählt. Das Deutsch-Österreichische Ehepaar Hugo und Juliana Salzmann, Kommunisten im Exil und Untergrund, wird in Paris denunziert und verhaftet. Ihr Sohn wird von seiner Tante gerettet und hat es später schwer, zum überlebenden Vater ein Verhältnis zu finden. Der Enkel schließlich wird an seinem Arbeitsplatz gemobbt, nachdem er von seiner ermordeten Großmutter spricht.
AUSSER HAUS
Ort: Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin
Kartenvorverkauf im Berliner Ensemble, Eintritt 3 €,
Kartentelefon 030.28.408.155,
Informationen unter 030.28.22.003 oder info@lfbrecht.de
Mit Tamara Bach, Thomas Donndorf, Saskia Fischer, Mathias Gatza, Alexander Gumz, Anne-Kathrin Heier, Alban Nikolai Herbst, Esther Kinsky, Svealena Kutschke, Tanjana Tsouvelis, Peter Wawerzinek, Judith Zander, Falko Hennig und Robert Weber
Lesung und Diskussion mit den Stipendiaten des Berliner Arbeitsstipendiums für Autorinnen und Autoren der Senatskanzlei Berlin – Kultur. Im Anschluss laden die Veranstalter zu einem Glas Wein ein.
Eine gemeinsame Veranstaltung von Literaturforum im Brecht-Haus und Berliner Ensemble
Mit freundlicher Unterstützung der Kulturverwaltung des Berliner Senats
Wolfgang Engler im Gespräch mit dem Herausgeber und Annett Gröschner
Die Arbeitswelt unterliegt einem raschen und tiefgreifenden Wandel: Finanzkrise und Rezession, Insolvenzen, Massenarbeitslosigkeit und Unsicherheiten der Altersvorsorge bestimmen die Arbeitswelt der vergangenen Jahrzehnte. Mehr als 50 langjährig Berufstätige aus unterschiedlichsten Branchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz berichten in Interviews von ihrem Berufsalltag, ihren Schwierigkeiten, Sorgen und Nöten, Hoffnungen und Frustrationen.
Mit Vorträgen von
Wolfgang Emmerich, Janine Ludwig, Hans-Christian Stillmark, Heinz-Peter Preußer und Matthias Schöning / Norbert Otto Eke und Kerstin Stüssel
Eintritt frei
Alle Künste, insbesondere aber die Literatur und Dramatik der DDR, sahen sich nach dem Fall der Mauer mit einem schlagartigen Reputationsverlust konfrontiert. Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung nimmt die Tagung diese in einem Klima der intellektuellen Entwertung alter kultureller Wegmarken entstandene Abwicklung einer einst hoch geschätzten Literatur zum Anlass einer kritischen Re-Lektüre sowohl der Literatur als auch ihrer wissenschaftlichen wie nichtwissenschaftlichen Rezeption. Zunächst geht es um Fragen der Literaturgeschichtsschreibung und Kanonisierung und ab 16:30 um Leitdiskurse und Gründungsmythen der DDR-Literatur.
Mit Peter Wicke und Thomas Meinecke
Anhand ausgewählter Musik-Tracks, die angespielt werden, ergründen der Schriftsteller, Sänger und DJ Thomas Meinecke und Peter Wicke (Professor für populäre Musik an der Humboldt-Universität Berlin) vier Jahrzehnte musikalischer Pop- und Undergroundkultur der DDR.
Mit Vorträgen von
Viviana Chilese, Christian Jäger und Michael Ostheimer / Franz Stucke, Marianne Schwarz-Scherer, Stefan Elit, Thomas Ulrich, Susanne Liermann und Michael Hofmann
Eintritt frei
Der zweite Konferenztag setzt die Diskussion um Leitdiskurse und Gründungsmythen der DDR-Literatur fort. Ab 11:30 geht es danach um einzelne Gattungen und Autoren, wobei jeweils exemplarische Lektüren im Vordergrund stehen. Ein besonderer Akzent liegt auf den bislang weniger beachteten, für die DDR eher unkonventionellen Textsorten wie der Reise- und der selbstverlegten Literatur.
Mit Jakob Hein und Jochen Schmidt
Die Schriftsteller und Lesebühnen-Routiniers Jakob Hein und Jochen Schmidt sprechen über vierzig Jahre Literatur der DDR, präsentieren verschiedene Schätze aus ihren Bücherregalen und tragen ihre ganz persönlichen Stilblüten und Entdeckungen aus dem Fundus deutsch-demokratischer Literatur vor.
Mit Vorträgen von
Matteo Galli, Holger Helbig, Silke Horstkotte, Andrea Jäger, Stephan Krause und Juliane Schöneich
Eintritt frei
Am dritten und letzten Tagungstag geht es um die Literatur um und nach 1990. Gegenstand ist die nach dem Fall der Mauer geschriebene Literatur von Autoren und Autorinnen und deren Wahrnehmung in Literaturgeschichtsschreibung und wissenschaftlicher Rezeption.
Ernest Wichner im Gespräch mit dem Autor
Mircea Cărtărescu, geboren 1956 in Bukarest, Lyriker und Prosaschriftsteller, ist gewiss der bekannteste rumänische Autor seiner Generation. Als 2007 der erste Band seiner ein Jahr zuvor abgeschlossenen „Orbitor“-Trilogie „Die Wissenden“ in deutscher Übersetzung erschien, konnte man erkennen, dass dieser Schriftsteller noch einmal den Versuch unternimmt, nichts weniger als die Welt und deren Abdruck in einem reflektierenden Bewusstsein literarisch darzustellen. Der im Vergleich dazu eher kleine Roman „Travesti“, 1994 in Bukarest und in diesem Herbst in deutscher Übersetzung von Ernest Wichner erschienen, liest sich wie das poetologische Programm zu diesem gewaltigen erzählerischen Unternehmen und ist zugleich eine zarte Adoleszenzgeschichte, die in die „düstere Geographie“ der Identitätsverwerfungen und -prägungen führt.
Hermann L. Gremliza im Gespräch mit dem Autor
Linus Cord, der Protagonist des neuen Romans von Hermann Kant, ist ein „aufstrebender Kritiker“ aus Ostberlin, der von Alpträumen über Stasi und Konsorten geplagt wird. Von Seiten des Geheimdienstes wird ihm der Auftrag erteilt, seine Soldaten-Kennmarke aus der Wehrmachtszeit zu ermitteln. Dies führt ihn auf eine abenteuerliche Spurensuche zwischen Ost- und West-Berlin. Mit routinierter Wort- und Metaphern-Akrobatik schreibt Kant, einstiger Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes und prominenter Vertreter der Literatur der DDR, einen ebenso unterhaltsamen wie listigen Roman über die Stellung des Schriftstellers in der Deutschen Demokratischen Republik. Mit ihm über seinen Roman spricht der „konkret“-Herausgeber und Kolumnist Hermann L. Gremliza.
im Gespräch mit Milan Richter
Als Sohn einer jüdischen Familie, die im Holocaust fast vollständig ausgelöscht wurde, wuchs der 1948 Geborene in einem slowakischen Dorf unweit der Grenze zu Mähren auf. Das Schicksal der Seinen, auch die Mutter wurde deportiert und überlebte, machte ihn zu einem Dichter des Abschieds, der um sein Lächeln kämpft. Mit dem Willen eines Stehaufmanns und dem Fleiß eines Zugpferds wurde der Germanist und Anglist auch ein weithin geschätzter Übersetzer und nach der samtenen Revolution sogar Gründer eines Verlags.
Mit Ingo Schulze und Jürgen Hosemann
Moderation Michael Opitz
Im Rahmen der Wolfgang Hilbig-Werkausgabe ist mit „Erzählungen“ der dritte Band des 2007 verstorbenen Autors erschienen. Jürgen Hosemann, Hilbigs Lektor, betreut die Ausgabe; der Schriftsteller Ingo Schulze hat das Nachwort zu dem Band geschrieben, der die Erzählungen „Die Weiber“, „Alte Abdeckerei“ und „Die Kunde von den Bäumen“ enthält. Diese drei Texte „gehören zum Beeindruckendsten, was die deutschsprachige Literatur im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat“, heißt es im Klappentext. Wodurch sich diese drei Texte auszeichnen, soll an diesem Abend Gegenstand des Gesprächs sein.
Aus der noch unveröffentlichten deutschen Übersetzung
Mit Edorta Jimenez
„Die Stimme der Wale“´ ist keine baskische Version von „Moby Dick“, sondern führt den Leser ins Baskenland des 16. Jahrhunderts, als die spanische Krone die „Unbesiegbare Armada“ für den Angriff auf England vorbereitet. Der Autor nennt sein Buch zwar einen Thriller, aber es ist mehr als das, eine fesselnde historische Darstellung auf hohem stilistischem Niveau. Edorta Jimenez Ormaetxea wurde 1953 im baskischen Küstenort Mundaka (Bizkaia) geboren und ist in fast allen literarischen Genres tätig: Kinder- und Jugendliteratur, Reportagen, Kurzgeschichten (die Sammlung „Der Schlepper“ wurde 1990 mit dem Gabriel-Aresti-Preis ausgezeichnet), Romane, Essays und Gedichte.
Nähere Informationen:
http://www.kulturvereingernika.de/
Eine Veranstaltung von Gernika Deutsch-Baskischer Kulturverein e.V.
Eintritt 3 €
Einlass eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn
Kerstin Hensel im Gespräch mit der Autorin
Nicht nur das Sterben ist eine Zumutung, auch der Tod. Sabine Peters, geboren 1961 in Neuwied, schreibt in ihrem neuen Roman „Feuerfreund“ eine ungewöhnliche, intensive Geschichte über Liebe und Loslassen, über die zwanzigjährige komplexe und komplizierte Ehe eines Schriftstellerpaares, über herbschöne Landschaften und linksintellektuelles Denken nach dem Mauerfall.
Sigrid Löffler im Gespräch mit dem Autor
Die Abwesenheit der Mutter, ihre „Rabenliebe“ ist das schwarze Loch, das alles motivierende Ereignis in Peter Wawerzineks Leben. Zwei Jahre alt war er, als sie ihn und die Schwester verließ. Das Kind machte eine Heimkarriere, wurde adoptiert, wurde aber nicht heimisch in der neuen Familie. Peter Wawerzinek ist seine eigene Hauptfigur. Er erzählt bildhaft, assoziativ und sprunghaft, wobei der Text durchsetzt ist mit Kinderreimen und Volksliedern, wie sie ihm gerade in den Sinn kommen.
Wolfgang Benz im Gespräch mit den Autoren
Im Sommer 1983 beschließen die in Dresden lebenden Geschwister Michael und Dorothea, beide Musiker, aus der DDR zu fliehen. Doch der Fluchtversuch misslingt und die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung endet hinter Gittern. Was brachte junge Menschen mit guten Aussichten in der DDR dazu, das Risiko einer Republikflucht auf sich zu nehmen? Wie erlebten sie das Scheitern? Wie kamen sie im Gefängnis zurecht, als „Politische“ unter Kriminellen? Der DDR-Alltag außerhalb und innerhalb der Gefängnisse und eine gescheiterte Flucht – erzählt aus der Perspektive von Schwester, Bruder und Mutter, die in Dresden zurückblieb.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Wolfram Ette im Gespräch mit dem Herausgeber Christoph Ziermann
Die Veröffentlichung der Vorlesung „Einführung in die Dialektik“, die Adorno im Sommersemester 1958 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main hielt, erlaubt nicht nur den Einblick in die Anfänge einer selbständigen Reflexion des Philosophen auf die dialektische Theorie, die in der „Negativen Dialektik“ von 1966 ihren Abschluss fand. Sie gibt zugleich eine authentische Einführung in ihren Gegenstand, der heute, wo uns die aufbrechenden Widersprüche des Kapitalismus unsanft an dessen dialektische Verfassung erinnern, an Aktualität nichts verloren zu haben scheint.