Veranstaltungsprogramm – Dezember 2010

Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im Dezember 2010.

Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Lesungen/ Buchvorstellungen/ Filme … []

Mi. 01.12. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Hanns-Josef Ortheil „Die Erfindung des Lebens“ und „Die Moselreise“

Marius Meller im Gespräch mit dem Autor

Der autobiografische Roman „Die Erfindung des Lebens“ handelt von einem Jungen, der die vor seiner Zeit liegenden Schicksalsschläge seiner Mutter mitträgt, indem er, wie sie, verstummt. Seine Ausdrucksmöglichkeit findet er zunächst in der Musik und wird nach sieben wortlosen Jahren vom Vater doch noch zur Sprache geführt. „Die Moselreise“, der Bericht des Elfjährigen, zeigt, wie der junge Ortheil aus dem Stummsein in die Welt fand.

Do. 02.12. 20 Uhr
Buchvorstellung und Gespräch

Bertolt Brecht „Die Notizbücher“

Marc Silberman im Gespräch mit den Herausgebern Peter Villwock und Martin Kölbel
Es liest Meike Schlüter

„vieles versuchend äußerte er viel: haltet ihn doch nicht bei dem was er sagte bald ändert ers …“ So verteidigt Brecht um 1927 den schlechten Charakter seines Bühnenhelden Fatzer – und sein eigenes Schreiben, sein begieriges Versuchen und Verändern. Hierzu dienten ihm zeitlebens über fünfzig Notizbücher, von denen nun das 24. und 25. erstmals erschienen sind. In ihnen macht Brecht die ersten Schritte zu „Fatzer“ oder „Dreigroschenoper“, sammelt Kontakte und Diäten, erfindet „Versuche“, seine erste Werkausgabe. Die Herausgeber berichten von ihrer Arbeit und präsentieren neue Funde aus Brechts Schreibwerkstatt.

Fr. 03.12. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Joachim Geil „Heimaturlaub“ und Svenja Goltermann „Die Gesellschaft der Überlebenden“

Moderation Ferdinand Haenel

Szenen des Krieges von Vernichtung und Gewalt haben sich in Joachim Geils Hauptfigur eingenistet. Der Autor erzählt von der inneren Verrohung des Soldaten, dessen Seele angesichts der Massaker der Armee im Osten für immer Schaden genommen hat. Die Historikerin Svenja Goltermann hat sich mit der Hinterlassenschaft des Krieges beschäftigt. Sie forscht über deutsche Kriegsheimkehrer, ihre Gewalterfahrungen und darüber, wie schwierig es war, zurück in den Alltag zu finden.

Di. 07.12. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

*** ENTFÄLLT *** „Verlass dich, dass ich dir nicht fehle – Briefwechsel zwischen Herz und Ruhm“, Teil 4: Gretha Jünger und Carl Schmitt - Briefwechsel 1934-1953

Sebastian Kleinschmidt im Gespräch mit der Herausgeberin Ingeborg Villinger. Es liest Johanna Schall
ACHTUNG: Die Veranstaltung am 7.12. muss aus Krankheitsgründen leider entfallen!

Fast zwanzig Jahre schrieben sie einander Briefe: Gretha Jünger, geborene von Jeinsen – Aristokratin, Autorin und elf Jahre jüngere Ehefrau des bis heute umstrittensten deutschen Schriftstellers –, und Carl Schmitt, Patenonkel ihres zweiten Sohn und bis heute umstrittenster deutscher Staats- und Völkerrechtler („Kronjurist des Dritten Reiches“). In ihrem Briefwechsel, der mit der Geburt seines Patenkinds beginnt und mit dem Zerwürfnis zwischen ihm und Ernst Jünger endet, geht es um das Leben hinter den Kulissen der Texte dieser drei hochkarätigen Intellektuellen im Deutschland der Nazi- und Nachkriegszeit, um Kinder und Ehekrisen, Zeitgeist, Antiamerikanismus, Haltung und Charakter.

Do. 09.12. 20 Uhr
Szenische Lesung

Lasenkan Theater Berlin Yoko Tawada „Das nackte Auge“ - Kapitel 3: „Tristana“ /Kapitel 4: „The Hunger“

Es lesen Kei Ichikawa, Kana Torino, Franziska Piesche, Alejandra Langner, Amanda Schütze, Yumiko Saito und Young Kwan Kim

Regie und Percussion Saburo Shimada

Ich-Erzählerin aus Vietnam landet in Paris. Ihr Leben verknüpft sich immer enger mit Filmhandlungen. Kapitel 3: Als ich zum ersten Mal den Film „Tristana“ sah und aus dem Kino auf das nächtliche Trottoir herauskam, sah ich in einer Entfernung von etwa zehn Metern eine vietnamesisch aussehende junge Frau. An ihrer Seite ging ein weißhaariger Mann, wahrscheinlich ein Franzose… „Wo wohnst du?“ … Kapitel 4: Jean trank gerade Tomatensaft. Ai Van ging ins Badezimmer und kam nicht sofort wieder… und ich war fasziniert von der blassen, trocknen Haut seines Handrückens…
Nach der szenischen Lesung laden die Autorin und das Ensemble zur Diskussion ein.

Fr. 10.12. 20 Uhr
Buchvorstellung und Gespräch

Stefan-Ludwig Hoffmann (Hg.) „Moralpolitik. Geschichte der Menschenrechte im 20. Jahrhundert“

Gesprächspartner: Michael Jeismann (Historiker), Alexandra Kemmerer und Ulrike Poppe (Beauftragte für Stasi-Aufarbeitung in Brandenburg)

Moderation Annette Wilmes

Anlässlich des Tags der Menschenrechte sprechen Alexandra Kemmerer, Ulrike Poppe und Michael Jeismann darüber, wie die Menschenrechte in den globalen Krisen und Konflikten des 20. Jahrhunderts an Geltung gewonnen haben. Es existieren, so macht das Buch deutlich, ganz unterschiedliche Vorstellungen von den Menschenrechten, die man erst dann begreifen kann, wenn man sie in ihrer geschichtlichen Entwicklung sieht: zunächst paradox erscheint es, dass ganz unterschiedliche Weltanschauungen die jeweils universale Geltung von Menschenrechten behaupten können. Nur im historischen Überblick wird vieles klarer.

Di. 14.12. 20 Uhr
Buchvorstellung und Gespräch

Herfried Münkler „Mitte und Maß. Der Kampf um die richtige Ordnung“

Moderation Stefan Reinicke

Der Begriff der „Mitte“ beherrscht die politische Debatte. Aber was genau ist unter Mitte – gesellschaftlich, politisch, geographisch – zu verstehen? Und vor allem: warum ist sie mit der Idee vom „rechten Maß“ verbunden? Vielleicht weil die Mitte als ein Ort der Sicherheit und der Beständigkeit gilt? Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler erzählt in seinem jüngsten Buch, wie sich die Ideen von Mitte und Maß gemeinsam entwickelten und verbindet dabei Gegenwartsdiagnose und Zukunftsprognose.

Mi. 15.12. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Michael Krüger „Ins Reine“. Gedichte

Moderation Peter Geist

Er ist einer der wichtigsten Verleger in Deutschland, Herausgeber der „akzente“, Lektor, Essayist, Romancier – vor allem jedoch Dichter. Michael Krügers neuer Gedichtband „Ins Reine“ bezeugt pointierter denn je „die unerträgliche Lust, / eine Sprache zu finden, die entspricht.“ Insbesondere Naturwahrnehmung wird Ausgangspunkt raffinierter, dabei oft paradoxer Sprachgänge in die Rätselhaftigkeit der Existenz. Denn „gerade das Auge des Lyrikers wird von den Zeichen angezogen, die der Deutung widerstehen.” (Adolf Muschg über Michael Krügers Lyrik). Doch auch für diese Gedichte gilt: „Hinter den Tönen / geht eine Tür auf, die führt in dein Herz.“

Do. 16.12. 20 Uhr
Lebenszeugnisse

Katarina Bader „Jureks Erben. Vom Weiterleben nach dem Überleben“

Wolfgang Benz im Gespräch mit der Autorin

Im Februar 2006 stirbt Jerzy Hronowski, genannt Jurek, in seiner Wohnung in Warschau. Auf seiner Beerdigung wird Katarina Bader klar, wie einsam ihr Freund Jurek, den sie als 18jährige in der Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz kennengelernt hatte, in seinen letzten Lebensjahren war. Seine traurigen Geschichten über seine Zeit im Lager sind ihr stets in Erinnerung geblieben, etwa wie er bei einem „medizinischen Versuch“ mit Fleckfieber infiziert wurde, aber überlebte, weil ein jüdischer Pfleger ihm heimlich Medikamente zuschob. Nach Jureks Tod bleiben Fragen: Wieso hat er sich von fast allen Menschen, die ihm eine Zeit lang nahe standen, im Streit getrennt? Um Antworten zu finden, besuchte Katarina Bader einen ehemaligen Mithäftling und Jureks Sohn, der seinen Vater bereits als Sechszehnjähriger im Streit verließ.

In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung

Ausstellungen/ Seminare/ Workshops … []

08.02.-30.03.2011
Ausstellung

Esra Carus - "Ethik und Opfer des Rechts", Porzellan und Papier, Installation

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