Veranstaltungsprogramm – Februar 2010

Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im Februar 2010.

Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Lesungen/ Buchvorstellungen/ Filme … []

Di. 02.02. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Joel Agee "Zwölf Jahre. Eine amerikanische Jugend"

KD Wolff im Gespräch mit dem Autor

Joel Agee erzählt von seiner amerikanischen Jugend in Ostdeutschland. Einer ziemlich priviligierten Jugend, verfügte die Familie des prominenten Schriftstellers Bodo Uhse doch über Villa mit Dienstmädchen und Chauffeur. Es gelingt dem Autor, die Atmosphäre der Jahre  von 1948 bis 1960 in Ostberlin herauf zu beschwören. Das Buch ist auch, und vor allem, eine Kindheits- und Pubertätsgeschichte des 1940 als Sohn des Schriftstellers James Agee geborenen und 1948 von Mexiko mit seiner Mutter Alma und deren zweiten Ehemann nach Ostberlin ausgereisten Agee.

Do. 04.02. 20 Uhr
Buchvorstellung

Henning Marmulla und Claus Kröger (Hg) „Hans Magnus Enzensberger/Uwe Johnson: „fuer Zwecke der brutalen Verstaendigung“. Der Briefwechsel“

Es liest Daniel Minetti

Jörg Magenau im Gespräch mit Henning Marmulla (Suhrkamp-Lektor, Herausgeber des Bandes)

1959 kam Uwe Johnson aus der DDR nach West-Berlin. Rasch gehörte er zum engsten Kreis um den Verleger Siegfried Unseld im Suhrkamp Verlag mit all den Autoren, die den bundesdeutschen Literaturbetrieb der 60er Jahre prägten. Besonderes Gewicht hatte dabei die Freundschaft mit Hans Magnus Enzensberger, wie der jetzt publizierte Briefwechsel belegt. Er reicht von 1959 bis zum politisch und persönlich motivierten Bruch im Jahr 1967 und gibt Einblick in politische und literarische Debatten, in Zeitschriftenprojekte und in die Schwierigkeiten zweier Schriftsteller, sich anzunähern und sich zu vertrauen.

Mo. 08.02. 20 Uhr
Brecht Tage 2010

Erfindung des Fotoepigramms

Brecht-Tage 8.-12. Februar

“Bild und Bildkünste”

Was kennzeichnet Bertolt Brecht als Bildersammler? Wo sind es Bilder statt Texte, die zu Ideengebern, Studienobjekten und Anlässen seines Schreibens wurden und was zeichnet die so entstandenen Texte Brechts aus? Wird Brecht den eigenen, von ihm selbst entwickelten Ansprüchen an das Zusammenspiel der Künste gerecht? Kann von einem eigenen Stellenwert der visuellen Erfahrung bei Brecht gesprochen werden – unabhängig oder gar gegen den Text ? Ziel der Brecht-Tage 2010 ist es, den Stellenwert der Bilder und Bildkünste für Brecht zu bestimmen. Um die Aktualität seiner Ansätze zu prüfen, beteiligen sich neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch Theaterkünstler und Literaten.

„Brecht/KRIEGSFIBEL“. Videoinszenierung
Regie: Niklas Ritter; Schauspiel: Julian Mehne

„Fotoepigramme 2010“. Ausstellungseröffnung und Diskussion
Mit Studierenden des Studiengangs kreatives Schreiben, Annett Gröschner und Grischa Meyer
Moderation (und Einführung Brecht-Tage 2010) Christian Hippe
Mit seinen Epigrammen zu Fotos reagierte Brecht auf das zeitgemäß populärste Bildmedium. Der Video- und Theaterkünstler Niklas Ritter nähert sich diesen Text-Bild-Arrangements mit den Mitteln des Films und übersetzt sie in Form eines Ein-Personen-Stücks (mit Schauspieler Julian Mehne) in die mediale Gegenwart. Eine Aktualisierung der Form des Fotoepigramms verfolgt auch die Ausstellung „Fotoepigramme 2010“ im Literaturforum im Brecht-Haus, die Arbeiten von Studierenden des Studiengangs kreatives Schreiben zeigt, die unter Leitung Annett Gröschners in Auseinandersetzung mit Brechts Form des Fotoepigramms entstanden sind. Ob Fotoepigramme eine noch immer zeitgemäße künstlerische Form darstellen, ist Gegenstand der Diskussion mit den beteiligten Autoren sowie dem Fotografen und Brecht-Forscher Grischa Meyer.

Di. 09.02. 20 Uhr
Brecht Tage 2010

Zusammenspiel der Künste bei Brecht

Vortrag
Marianne Streisand „Konzept der Trennung und des Zusammenspiels der Künste bei Brecht“

Dokumentarfilm
„Ikonen. Bertolt Brechts häusliches Bildprogramm“ von Peter Voigt
Eine Produktion für das Literaturforum im Brecht-Haus, Uraufführung.
Moderation Sonja Hilzinger
Gegen das Wagner’sche „Gesamtkunstwerk“ gerichtet, propagierte Brecht die Idee einer Trennung und freien Assoziation der Künste. In ihrem Beitrag erkundet Marianna Streisand, inwiefern Brecht selbst diesem Anspruch gerecht wurde und welche Rolle er den Künsten im Verhältnis zur Literatur zuerkannte. Das ganz private Zusammenspiel von Literatur und bildender Kunst bei Brecht verfolgt Peter Voigt in seinem eigens für die Brecht-Tage 2010 erstellten Dokumentarfilmbeitrag. Er richtet den filmischen Blick auf Brechts Sammlung von Kunstobjekten und deren Arrangement in dessen Wohn- und Arbeitsräumen. Mehr als bloße Dekoration oder Studienobjekte, zeigt Voigt die Sammlungsstücke in ihrer ikonischen Bedeutung für Brechts Schaffen.

Mi. 10.02. 20 Uhr
Brecht Tage 2010

Vom Bild zum Text. Bildmaterial bei Brecht

Vorträge
Tom Kuhn „Das Bildmaterial zum ‚Kaukasischen Kreidekreis‘“
Sabine Kebir „Wie Brecht und Berlau von der Fotoreportage zum Filmscript kamen“
Moderation Marianne Streisand
Brecht legte mehrere umfangreiche, aber bisher kaum ausgewertete Bildsammlungen an. Eine davon gilt dem „Kaukasischen Kreidekreis“. Der Oxforder Literaturwissenschaftler Tom Kuhn diskutiert die Bedeutung dieser Materialsammlung für eine Neulektüre des Stücks. Das Initiativmoment des Bildes für Arbeiten und Projekte Brechts verfolgt auch Sabine Kebir. Sie geht dem exemplarischen Fall eines Filmscripts nach, das in der Zusammenarbeit von Brecht und Berlau entstand.

Do. 11.02. 20 Uhr
Brecht Tage 2010

Bildermappe/ Bilderatlas

Vortrag
Achtung Titeländerung: “Le désordre du monde, voilà le sujet de l’art…”. Zur Nachgeschichte Brechts bei Harun Farocki
Mit Simultanübersetzung aus dem Französischen.

Michael Diers im Gespräch mit Georges Didi-Huberman

Der französische Kunstphilosoph Georges Didi-Huberman hat in seinem Buch „Quand les images prennent position“ die Bedeutung Brechts als Bild-Theoretiker entfaltet. In seinem Vortrag verlängert er die Perspektive auf den Kunst-Theoretiker Aby Warburg und diskutiert die Nähe zwischen den von Brecht angelegten Bildermappen und Warburgs Projekt des Bilderatlasses. Mit Didi-Huberman spricht der Hamburger und Berliner Kunstwissenschaftler und Warburg-Experte Michael Diers.
In Zusammenarbeit mit der Französischen Botschaft in Berlin

Fr. 12.02. 16 Uhr
Brecht Tage 2010

Brecht-Perspektiven 2010 – Tagung „Alles schon gesagt?“ Junge WissenschaftlerInnen diskutieren Ansätze und Perspektiven für die Auseinandersetzung mit dem Werk Brechts.

Vorträge und Diskussion

Leitung und Moderation Hans-Thies Lehmann

Mit der Tagung „Brecht-Perspektiven 2010“ gibt das Literaturforum im Brecht-Haus jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Chance, Ihre Arbeiten zu Brecht zur Diskussion zu stellen und der Frage nachzugehen, wo die Perspektiven für weitere Forschungen liegen. Die Diskussion leitet der Frankfurter Literatur- und Theaterwissenschaftler sowie Präsident der Internationalen Brecht-Gesellschaft Hans-Thies Lehmann.

Konstantinos Kotsiaros: „Dialektische und grausame Vereinigung von Kunst und Leben auf der Bühne von Brecht und Artaud. Ein Exempel für die ästhetische Moderne des 20. Jahrhunderts“

Kristopher Imbrigotta: „Framing Brecht: Fotografie und Experimentin: ,Kriegsfibel, Arbeitsjournale und Modellbücher’“

Lukas Mairhofer: „A-tom und In-dividuum. Als Bertolt Brecht in Heisenbergs Mikroskop blickte“

Tomislav Zelic´: „Adorno und Brecht. Zum Parabelstück ,Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui’“

Patrick Ramponi: „>>When the Ship comes in<<, Bob Dylan birgt Bertolt Brechts literarisches Strandgut. Zum Nachleben Brechts in der amerikanischen Populärkultur“

Maria Vittoria Tirinato: „Das weiche Wasser und der mächtige Stein. Betrachtungen über Brechts Rezeption in Italien“

Fr. 12.02. 20 Uhr
Brecht Tage 2010

Bühnenbildkonzepte nach Brecht

Vortrag und Gespräch
Mark Lammert „Brecht und Müller. Einige Überlegungen über Farbe, Texte, Räume und Mauern – Anmerkungen über Kontextänderungen in den letzten 20 Jahren“

Grischa Meyer im Gespräch mit Mark Lammert

Durch seine Bühnenbilder für Aufführungen Heiner Müllers bewegt sich der Künstler und Bühnenbildner Mark Lammert in der Tradition einer kritischen Auseinandersetzung mit der Ästhetik Brechts. Vor dem Hintergrund skizziert er Fragestellungen, die heute noch von Brecht für das Bühnenbild ausgehen. Mit ihm im Gespräch ist der Brecht-Forscher und Müller-Kenner Grischa Meyer.

Di. 16.02. 20 Uhr
Buchvorstellung

Uwe Schütte (Hg.) Edmund Mach „Meine abenteuerlichen Schriften. Gedichte und Prosa 1965-1996.“

Jörg Sundermeier im Gespräch mit dem Herausgeber

1996 verstarb, 67jährig, der Dichter Edmund Mach während seiner ersten großen Reise in New York. Denn der schizophrene Mach verbrachte den größten Teil seines Lebens in der Psychiatrie. Sein Arzt, Leo Navratil, animierte ihn zum Schreiben: “Das Vögel keine hässlichen Tiere / sind das wissen sie”. Der Literaturwissenschaftler Uwe Schütte, der persönlich mit Mach bekannt war, hat dessen “Abenteuerliche Schriften” neu herausgegeben, und zeigt anschaulich den Zusammenhang von Schizophrenie und Sprache an diesen Schriften auf.

Mi. 17.02. 20 Uhr
Buchvorstellung

Doris Gercke „Pasewalk“

Moderation Regula Venske

Eine Geschichte von Verbrechen, Sühne und Versöhnung. Eine deutsche Geschichte. Gercke macht die Sprachlosigkeit in der Familie zu einem nachvollziehbaren und eindringlich beschriebenen Thema. Die junge Anwältin Lisa verachtet ihre Großmutter Dora, die wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Damit ihre Enkelin die Tat versteht, schickt Dora sie nach Pasewalk, in die Stadt, in der die Familie seit Generationen gelebt hat. Hier wird die Vergangenheit für Lisa plötzlich zur schrecklichen Gegenwart.

Do. 18.02. 20 Uhr
Lebenszeugnisse

"Der große Irrtum - Die Erinnerungen des NSDAP-Mannes Friedrich Lodemann"

Wolfgang Benz im Gespräch mit Jürgen Lodemann

An seinem Lebensabend, 1965, versucht ein ehemaliger NSDAP-Mann eine Antwort zu finden auf die Frage: Wie konnte ich nur bei denen mitmachen? Er schreibt seine Erinnerungen für seine Söhne nieder und streitet nichts ab. Er bedient die Partei in seiner idealistischen Mentalität und Dienstbereitschaft mit zahlreichen Verbesserungsvorschlägen, wie Wirtschaft und Währung zu sichern seien. Den Mächtigen war diese Mentalität überaus nützlich, bis sie sie empörte, und zwar so sehr, dass er 1943 und 1944 vor Parteigerichte musste. Mehr als 35 Jahre nach dem Tod seines Vaters hat sich Jürgen Lodemann dazu entschlossen, dessen Erinnerungsbericht “Der große Irrtum” herauszugeben.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung

Fr. 19.02. 20 Uhr
Das literarische Gitarren - Konzert

Mit Texten von Wilhelm Busch, Miguel Cervantes, Konrad-Moritz Fuchs, Heinrich Heine, E.T.A. Hoffmann, Erik Orsenna, Karl Valentin u.a.

Konzept, Regie & Kompositionen und Konzertgitarre: Frank Fröhlich Sprecher: Daniel Minetti

Mit diesem Abend laden wir ein zu einem Streifzug durch die Welt der Gitarre. Viele berühmte Schriftsteller und Musiker hielten ihre Erlebnisse mit diesem wundervoll vielseitigen Instrument in Romanen, Gedichten und Tagebüchern fest. Das dramaturgisch durchdachte Geflecht aus den Texten und den originellen Kompositionen Fröhlichs lässt dieses Programm zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden.

Di. 23.02. 20 Uhr
Buchvorstellung

Brigitte Kronauer "Zwei schwarze Jäger"

Moderation Sigrid Löffler

Wie in einen romantischen Salon lädt Brigitte Kronauer uns in ihr Buch voller skurriler Gestalten, mit all ihren Geschichten und Erinnerungen. Alles scheint der Vorstellungskraft der Schriftstellerin Rita Palka zu entspringen, die sich selbst unters Personal mischt. Die Figuren mit ihren Ängsten und Niederlagen rücken immer dichter zusammen, ohne zu ahnen, dass eine von Ihnen zur Mörderin geworden ist.

Mi. 24.02. 20 Uhr
Buchvorstellung

Martin Urban „Die Bibel. Eine Biographie“

Wolfgang Hörner im Gespräch mit Christoph Markschies und dem Autor

Martin Urbach zeigt mit Hilfe der historisch-kritischen theologischen Forschung, der modernen Sprach- und Textwissenschaften, der Archäologie, der Geschichtswissenschaften sowie insbesondere auch der Erkenntnisse der Naturwissenschaften, dass die Bibel heute anders verstanden werden muss, als dies über zweitausend Jahre lang der Fall war. Denn sie ist nun einmal nicht vom Himmel gefallen, sondern hat ihre eigenen Geschichte, die zu kennen und verstehen sich lohnt.

Do. 25.02. 20 Uhr
Buchvorstellung

Wolfgang Benz und Michael F. Scholz "Gebhardt. Handbuch der Deutschen Geschichte. Deutschland unter alliierter Besatzung 1945-1949. Die DDR 1949-1990"

Alfred Eichhorn im Gespräch mit dem Herausgeber

Ein Handbuch ist eine geordnete Zusammenstellung eines Ausschnitts des menschlichen Wissens und dient als Nachschlagewerk. Gleichzeitig ist es auch immer ein Spiegel seines jeweiligen Entstehungszeitraums. Unter diesem Gesichtspunkt stellt Wolfgang Benz den neuen “Gebhardt”, Band 22 vor. Den Autoren ist es gelungen, einen wirklichkeitsnäheren und entideologisierten Ansatz ins Spiel zu bringen, der die Denkmuster des Kalten Kriegs überwindet.

Ausstellungen/ Seminare/ Workshops … []

Wir haben in diesem Monat kein Begleitprogramm angeboten.

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