Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im März 2010.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Mit Roland Berbig, Gesine Bey, Helmut Böttiger, Johanna Boley, Andreas Degen, Günter Häntzschel, Sven Hanuschek, Astrid Köhler, Ulrich Krellner, Helmut Peitsch und Klaus Völker
In Kooperation mit der Johannes-Bobrowski-Gesellschaft; gefördert durch die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesell-schaften und Gedenkstätten aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Eintritt frei
In den Jahren um 1960 existierte in Berlin ein vielfältiges und spannungsreiches literarisches Leben. Autorinnen und Autoren fühlten sich vom Doppelgesicht der Stadt angezogen, kamen vorübergehend oder für immer, traten auf und in Beziehung, bildeten Gruppen, behaupteten sich, fanden Gehör und einen spezifischen Marktwert, wurden protegiert oder fallen gelassen. Die Tagung widmet sich diesem breiten, in vielen seiner Facetten in Vergessenheit geratenen Spektrum literarischer Öffentlichkeit im Ost- und Westteil der Stadt.
Vortrag von Jochen Meyer
Es lesen Axel Werner und Ulrich Anschütz
Musik von Christian Raudszus
In Kooperation mit der Johannes-Bobrowski-Gesellschaft; gefördert durch die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesell-schaften und Gedenkstätten aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Johannes Bobrowski, 1955 mit einigen Gedichten in Sinn und Form hervorgetreten, 1962 im Literarischen Colloquium mit dem Preis der Gruppe 47 geehrt, gehörte wie kein anderer Autor den verschiedenen literarischen Szenen im Osten und Westen Berlins an. Seine Beerdigung 1965 in Friedrichshagen geriet – mitten im Kalten Krieg – zu einem deutsch-deutschen Literatentreffen. Jochen Meyer, Herausgeber der seit langem erwarteten Brief-Edition, stellt Briefe Bobrowskis an Autoren vor, von Ernst Jünger bis Christoph Meckel.
Mit Helmut Böttiger, Annett Gröschner, Klaus Völker und Gerhard Wolf
In Kooperation mit der Johannes-Bobrowski-Gesellschaft; gefördert durch die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesell-schaften und Gedenkstätten aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Moderation Wilfried F. Schoeller
Als geschleifte Metropole, Frontstadt des Kalten Krieges und Hauptstadt der DDR wirkte Berlin in den Jahren um 1960 als Katalysator deutscher Literatur. Einige der Autorinnen und Autoren, die damals in der geteilten Stadt lebten und schrieben, sind heute noch in aller Munde, die meisten aber nur noch wenigen ein Begriff. Vergessene und nicht vergessene Texte werden gelesen und besprochen: ein Abend der kleinen und großen Geschichten, der Poesie und Anekdoten.
Heidrun Suhr im Gespräch mit der Filmemacherin
Der Bau des Berliner Denkmals für die ermordeten Juden Europas ruft in der Filmemacherin Erinnerungen an die glücklichste Zeit ihrer Kindheit im besetzten Polen wach und konfrontiert sie mit den damit verbundenen ambivalenten Gefühlen. Von 2003 bis 2007 begleitet sie das Denkmal mit ihrer Kamera. Die Auseinandersetzung mit der Architektur, Interviews mit Peter Eisenman und Lea Rosh sowie Gespräche mit Besuchern führen sie zu neuen Fragen nach der Geschichte ihrer Familie und der Bedeutung der „Kollektivschuld“ in ihrem Leben.
Die Herausgeber Günther Heeg und Nikolaus Müller-Schöll im Gespräch mit B.K. Tragelehn
Die Internationale Heiner Müller Gesellschaft stellt zwei neue Publikationen vor: “Theatrographie – Heiner Müllers Theater der Schrift” (Verlag Vorwerk 8) und “Heiner Müller sprechen” (Verlag Theater der Zeit). Dazu gehört auch die Tonaufnahme “Josef Bierbichler liest Heiner Müller”.
Außer-Haus-Veranstaltung / Ort: Theaterkapelle, Friedrichshain, Boxhagener Straße 99, 10245 Berlin
Eintritt 12 €/erm. 6 €, Kartentelefon 030–40 98 43 00
Mit Antje Görner, Christian Kuchenbuch und dem Ensemble der Theaterkapelle
Aus der Schwäche Kunst zu machen, war Inge Müllers Überlebensform. In 13 Jahren Ehe und Zusammenarbeit mit Heiner Müller kommt diese Überlebensform in ihrer Lyrik zu höchster Ausprägung. Das Trauma eines doppelten Verschüttetseins – als Mensch unter Trümmern im Krieg, als Autorin unter dem Werk ihres Mannes – beherrscht ihr kurzes Leben und ihren verspäteten Ruhm. Sie stirbt am 1. Juni 1966 nach mehreren Selbstmordversuchen. Thomas Martins Stück Schutt wird am 13. März – dem 85. Geburtstag Inge Müllers – in einer szenischen Lesung in der Theaterkapelle vorgestellt.
Außer-Haus-Veranstaltung / Ort: Saarländische Galerie, Am Festungsgraben 1, 10117 Berlin T: 030–20077258
Eintritt frei
In Zusammenarbeit mit der Saarländischen Galerie
Moderation Michael Bienert
Das deutsch-französische Grenzgebiet war eine Schicksalsregion für Alfred Döblin und seine Familie. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Militärarzt ins „lothringische Nest“ Saargemünd einberufen, er geriet in Widerspruch zur Militärhierarchie und wurde im August 1917 ins elsässische Hagenau versetzt. In Briefen und Postkarten schilderte Döblin seinen Alltag, er schrieb Erzählungen und am Wallenstein-Roman. 1940 beging sein Sohn Wolfgang als französischer Soldat im lothringischen Housseras Selbstmord, um nicht in deutsche Gefangenschaft zu geraten. An seiner Seite wurden sowohl Alfred Döblin wie auch seine Frau Erna, die in Paris ebenfalls Selbstmord beging, beigesetzt.
Außer-Haus-Veranstaltung / Ort: Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin
Kartentelefon: 28 408 155, Eintritt 15 € /erm. 7 €
In Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk und Radio Bremen, dem Berliner Ensemble und dem Ch. Links Verlag
Günter Grass im Gespräch mit Kai-Uwe Schlüter und Christoph Links, Es liest Thomas Wittmann
„Angefallen wegen Provokation“ – so beginnt im August 1961 die Stasi-Akte von Günter Grass. Bis zum Herbst 1989 ließ ihn der Geheimdienst nicht mehr aus den Augen. Die von Kai Schlüter aufbereiteten Stasi-Akten zeigen die oft abenteuerlichen Wege des heimlichen Literaturaustausches zwischen Ost und West, das Lavieren der offiziellen Kulturpolitik und die Mechanismen der Überwachung. Ergänzt werden die Stasi-Materialien durch ausführliche Kommentare von Günter Grass und den damals beteiligten Kollegen, die manches richtigstellen.
Moderation Jörg Magenau
In seinem neuen Roman kehrt Jan Faktor zurück nach Prag, wo er 1951 geboren wurde und wo er bis zu seiner Übersiedlung nach Ost-Berlin im Jahr 1978 lebte. Georg – eine Figur, die Lesern seines Werkes nicht ganz unbekannt ist – wächst dort in einer von Frauen dominierten Familie auf. Es ist die Zeit des politischen Terrors und der Reformversuche, die 1968 in den “Prager Frühling” mündeten. Für Georg ist es die Zeit des Erwachsenwerdens, der Vatersuche, erster erotischer Erfahrungen und einer vor allem über das Körperliche erlebten Befreiung. Jan Faktor, der für seinen vorigen Roman “Schornstein” mit dem Döblin-Preis ausgezeichnet wurde, legt nun einen subversiven, witzigen Entwicklungs- und Gesellschaftsroman vor, der eine außergewöhnliche Familie und zugleich die Stadt Prag porträtiert.
Mit Kerstin Hensel und Richard Pietraß
Moderation Peter Geist
Die gewichtige, von Heinz Ludwig Arnold und Hermann Korte bei S. Fischer herausgegebene Anthologie Lyrik der DDR ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich zu nennen: Nicht nur, dass sie 500 Gedichte von 180 Autorinnen und Autoren versammelt und den Anspruch erhebt, die Lyrik der DDR zu repräsentieren, sie folgt in der von Jahr zu Jahr fortschreitenden Chronologie weit über das Jahr 1990 hinaus auch einem ungewöhnlichen Gliederungsprinzip. Über die Schlüssigkeit dieses Konzepts, über Maßstäbe der Auswahl, aber auch über den Ort der Lyrik aus der DDR in der Literaturgeschichte diskutieren die Herausgeber mit der Lyrikerin Kerstin Hensel und dem Lyriker Richard Pietraß.
Wolfgang Benz im Gespräch mit Ulrich Stoll
Wer einmal die DDR in Richtung Westen verlassen hatte und dann zurückkehren wollte, musste ein Durchleuchtungs- und Umerziehungsprogramm über sich ergehen lassen. Im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental am Rande Berlins hatten die Rückkehrer wochen-, oft monatelang auszuharren, bis sie zurück zu ihren Familien durften. Viele erlitten einen “Lagerkoller”, mehrere nahmen sich dort das Leben. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall hat Ulrich Stoll zahlreiche Rückkehrer besucht und ihre Geschichten rekonstruiert. Er traf auf Familien, die erpresst und als Geiseln genommen wurden, um republikflüchtige Angehörige zur Rückkehr zu bewegen.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Gerd Irrlitz im Gespräch mit Friedrich Dieckmann
Nach dem 2. Weltkrieg entschieden sich viele einstige Emigranten bei der Rückkehr nach Deutschland für die sowjetisch besetzte Zone. Als Wissenschaftler und Künstler prägten sie das geistige Leben der ostdeutschen Gesellschaft und orientierten vor allem die junge Generation. Arthur Baumgarten, einer der namhaften Rechtsgelehrten der Weimarer Republik, kam 1948 aus Zürich an die Humboldt-Universität, mit ihm kam seine Frau, Helene Baumgarten geb. v. Salis, eine Freundin und spätere Biographin von Ricarda Huch. Gerd Irrlitz spricht über seine jüngst erschienene Monographie und erörtert das Thema im Gespräch mit Friedrich Dieckmann.
Wiebke Porombka im Gespräch mit der Autorin
Eigentlich scheint ihr Leben in bester Ordnung. Ihr Freund ist Theaterkritiker, die kleine Tochter wird geliebt. Und doch flüchtet die Frau eines Abends aus der gemeinsamen Berliner Wohnung, steigt in eine Straßenbahn und landet an der Bar der „Hellersdorfer Perle“, neben einem Mann, dessen Anziehungskraft sie nicht mehr loslassen wird. Unbeirrbar und mit schrägem Witz erzählt Katja Oskamp davon, warum man plötzlich alles Vertraute hinter sich lassen muss und warum im Mittelmäßigen das Glück nicht zu finden ist.
Zusammenarbeit mit DAS MAGAZIN
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