Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im April 2010.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Lothar Müller im Gespräch mit Peter von Matt
Es liest Horst Hiemer
Der „Struwwelpeter“ des Arztes Heinrich Hoffmann war sein eigener „Anti-Struwwelpeter“ lange, bevor Bücher unter diesem Titel erschienen. Er hat das nicht-brave Kind so hinreißend ausphantasiert, dass es alle Zwecke, für die es erfunden wurde hinter sich ließ. Seine Bilderwelt ist mit den Elementen im Bunde: das Feuer verbrennt Paulinchen mit Haut und Haar, das Wasser droht den Hans-Guck-in-die-Luft zu verschlingen, das grüne Gras der Erde wird zur Bühne für den vom Hasen gejagten Jäger, die brausende Luft entführt den fliegenden Robert. Der Schweizer Germanist Peter von Matt hat dieses mit Ordnungssinn und Rebellionsgeist vollgesogene Kinderbuch in seiner Edition neu gelesen.
Herausgegeben von Karl A. Varnhagen von Ense. Mit einem Nachwort von Ulrike Landfester
Moderation Andreas Isenschmid
Schon kurz nach Rahel Varnhagens Tod 1832 – und noch von ihr selbst redigiert – von ihrem Mann Karl August Varnhagen erstmals als Privatdruck für den unmittelbaren Freundeskreis publiziert, wurde das Buch des Andenkens 1833 von Varnhagen auf vielfache Nachfrage hin auch für die breite Öffentlichkeit herausgegeben. Die darin versammelten Briefe und Tagebuchauszüge Rahels zeugen von intimer Vertrautheit mit Geistesgrößen ihrer Zeit. Schleiermacher, Fichte, Fouqué, Chamisso, die Brüder Schlegel, Wilhelm von Humboldt, Heinrich Heine und viele andere fanden in Rahel eine ebenbürtige Brief- und Gesprächspartnerin. Im Buch des Andenkens offenbart sich Rahel als eine der großen Schriftstellerinnen Deutschlands. Der Zeit und dem Rang nach ist sie die erste Jüdin der deutschen Literatur.
Adam Soboczynski im Gespräch mit dem Autor
In seiner Geschichte einer Himmelsrichtung, die gewissermaßen die Geschichte der Idee einer Himmelsrichtung ist, eröffnet der Autor eine Fülle ungewöhnlicher Perspektiven. Natürlich reisen wir mit ihm auch über die Alpen in den sonnigen Süden der Italiensehnsucht. Der Süden kann eiskalt sein, dann wieder sehr exotisch. Bei aller Gegensätzlichkeit und Erfahrung ist “der Süden ” immer ein Land der Neugier und der Sehnsucht gewesen.
Moderation Jörg Plath
Das Eigentliche ist ein wenig aus der Mode gekommen. Iris Hanikas neuer Roman heißt „Das Eigentliche“ und erzählt davon, wie Hans, Graziela und der deutsche Staat mit den Nazi-Verbrechen ringen. Sie alle sind im mittleren Alter, und zwei von ihnen fragen sich, ob das nazigegebene Unglück vielleicht das Uneigentliche ist. Und wie es sich mit einem anderen Eigentlichen verhält: mit der Hilflosigkeit angesichts der Nazi-Verbrechen.
Mit Veit Heinichen und Rolf Lindner (Stadtethnologe)
Moderation Thomas Wörtche
Verbrechen passieren überall. Sie achten weder Grenzen noch Kulturen. Doch der Kriminalroman erzählt vom Mord geradezu ortsversessen: Tief dringt er ein in die Regionen, die Städte, die Milieus und spürt die sozialen Kraftfelder und Atmosphären auf. Gibt es stadtspezifische Verbrechen? Können Milieus tatsächlich Mörder machen? Veit Heinichen schreibt über die dunklen Machenschaften in der Grenzregion um Triest. Es geht um viel Geld, Liebe und die politisch-wirtschaftlichen Veränderungen in Europa. Jeder will ein Stück vom Kuchen, und dafür ist jedes Mittel recht.
Wolfgang Benz im Gespräch mit Anatol Chari
„Undermensch“ ist der Bericht eines der wenigen Überlebenden aus dem Ghetto Litzmannstadt. Anatol Chari war ein Mitglied der dortigen jüdischen Ghettopolizei. Der Vorsitzende des Judenrats, ein Freund seines Vaters, schützte ihn. Diese Umstände sicherten ihm ausreichende Ernährung, warme Kleidung, eine eigene Wohnung und legten so die Grundlagen für sein Überleben nach der Deportation in die Konzentrationslager Auschwitz, Groß-Rosen und Bergen-Belsen, wo Chari befreit wurde. Es gab immer wieder Wendungen, die ihm das Leben retteten, er hat sich Zeit seines Lebens damit auseinandergesetzt, warum ausgerechnet er überlebt hat.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Es liest Otto Mellies
Moderation Holger Teschke
Am 11. April 1878 begibt sich Mark Twain mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in New York an Bord des Dampfers „Holsatia“, um zu einer sechszehnmonatigen Europareise aufzubrechen, die ihn von Hamburg über Heidelberg, Baden-Baden, Luzern, Genf und Mailand bis nach Florenz führt. Nach dem Erfolg von Die Arglosen im Ausland und Durch dick und dünn erscheint dem gefeierten Humoristen die Alte Welt als geeignetes Ziel seiner Reise- und Spottlust. Der im Frühjahr 1880 erschienene Spaziergang durch Europa wurde schnell zu einem der beliebtesten Reisebücher seiner Zeit. Mark Twains ironischer Blick, vor allem auf die Merkwürdigkeiten der deutschen Kultur und Küche, hat bis heute nichts von seiner Schärfe und seinem Humor verloren.
In Zusammenarbeit mit der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika Berlin
Von Holger Teschke
Es lesen Christian Grashof, Ruth Reinicke und Holger Teschke
Um nach einem Bankrott die Forderungen seiner Gläubiger bezahlen zu können, muss der sechzigjährige Twain eine Weltreise antreten, von Vancouver über Hawai, Fiji, Australien, Neuseeland, Indien, Ceylon und Mauritius bis nach Südafrika. In London angekommen, verfasst er dort mit Dem Äquator nach! eines der scharfsinnigsten und humorvollsten Reisebücher seiner Zeit. Holger Teschke stellt anlässlich von Twains 100. Todestag nicht nur die Höhepunkte seiner Weltreise, sondern auch Auszüge aus den Briefen, Tagebüchern und Interviews dieser Zeit vor. Musikalisch begleitet wird diese Reise von englischen Shantys in den berühmten Aufnahmen von A.L. Loyd und Ewan MacColl.
In Zusammenarbeit mit der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika Berlin
Leider entfällt diese Veranstaltung wegen des Flugverbots.
Moderation Hans-Peter Kunisch
Mit seiner Monografie über Daniel Kehlmann stellt Gasser dessen Werk in einen weltliterarischen Kontext. Wenn Daniel Kehlmann attestiert wird, er schreibe klug, charmant und fast unverschämt unterhaltsam, so ist das in Deutschland ein Lob mit Haken, hinter dem Skepsis lauert, ob man »ganz große Literatur« nennen könne, was derart angenehm zu lesen sei. Es ist diese Leichtigkeit nicht zu bestreiten, wohl aber die Berechtigung der skeptischen Folgerung.
Moderation Frauke Meyer-Gosau
Ein unverhofftes Wiedersehen: Ulrike Draesner erzählt – ungewohnt verspielt und leicht – die Geschichte der Astrophysikerin Harriet, die unerwartet ihrer Jugendliebe Peter wieder begegnet. Eine vermeintlich harmlose Liebesaffäre beginnt. Allmählich jedoch, aber unaufhaltsam, gerät dabei ihr bisheriges Leben aus seiner geordneten Umlaufbahn und alles treibt einer Katastrophe entgegen.
In Zusammenarbeit mit LITERATUREN
Moderation Tilman Krause
Paul lernt die Spanierin Maria in Málaga kennen, sie wird für ihn zur Liebe seines Lebens, und doch muss er sie bald verlassen: Sie ist verheiratet und erwartet ein Kind. Zum Abschied ruft sie „Permanecemos juntos!“ – „Wir bleiben zusammen!“ Marias Versprechen soll kein leeres bleiben: es gibt ein Wiedersehen in Deutschland, an den mit Hunde-Urin verseuchten Stränden des Grunewaldsees.
Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow
Mit einem Nachwort von Sigrid Löffler
Vortrag Sigrid Löffler
Es liest Nina Petri
Als Kriegsreporterin ging Martha Gellhorn an die schlimmsten Schauplätze der Welt und schrieb über neun Kriege. Sie berichtete aus dem Spanischen Bürgerkrieg, wo sie sich mit dem Fotografen Robert Capa anfreundete, von verschiedenen Fronten im Zweiten Weltkrieg, vom D-Day wie von der Befreiung Italiens oder aus dem Vietnamkrieg. Die Briefe geben Zeugnis vom intensiven Leben der Schriftstellerin, die die Herausforderungen suchte, sie sprechen vom lebenslangen Bemühen um eine Vergewisserung ihrer selbst – schmerzhaft, dramatisch und konsequent.
Moderation Salli Sallmann
Sibylle will raus aus der DDR-Provinz, will Schauspielerin werden und kommt endlich nach Berlin, zum Ex-Geliebten ihrer Mutter, mit dem sie nicht nur eine Nacht verbringt, sie lässt nichts aus. Bis die Mauer fällt, auch erotisch. Bastienne Voss erzählt in ihrem Roman abgründig und mit Witz über ostwestdeutsche Vereinigungen, und zwar über die von Männern und Frauen, und der Rundfunkjournalist Salli Sallmann fragt nach.
Thomas Stölzel im Gespräch mit der Autorin
Der französische Autor Claude Simon, der 1985 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, ist – ungeachtet hervorragender Übersetzungen – hierzulande erst noch zu entdecken. Brigitte Burmeisters Buch eröffnet dem Leser ein Romanwerk, das zu den bedeutendsten jenes 20. Jahrhunderts gehört, in dessen geschichtlichen Katastrophen es verankert ist mit seinen Stoffen und seiner faszinierenden Sprachgestalt.
Mit Lothar Trolle, Thomas Kuczynski und Axel Schalk
Lothar Trolles erstes Stück ging 1972 aus einer Wette hervor, die Thomas Brasch anbot. Wer schreibt schneller eine Komödie über den 17. Juni 1953: “Du schreibst über den 17. Juni auf dem Land und ich über den in der Stadt.” Trolle gewann—mit einer Faust-Parodie, einem politischen Märchen über die ostdeutsche Zeit der stalinistischen Kollektivierung.
Lesung und Gespräch aus Anlaß der Erstveröffentlichung des Textes über die Möglichkeiten des künstlerischen ebenso wie des geschichtlichen Dramas.
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