Veranstaltungsprogramm – Juli 2010

Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im Juli 2010.

Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Lesungen/ Buchvorstellungen/ Filme … []

Do. 01.07. 20 Uhr
Buchvorstellung und Gespräch

Andreas Schäfer „Wir vier“

Wiebke Porombka im Gespräch mit dem Autor

Gespenstisch ist die Stille, die in dieser Familie und in diesem Haus herrscht. Nichts ist mehr wie es einmal war. Aber über das, was alle bewegt, scheint kein Sprechen möglich: Jakob, einer der beiden Söhne, wurde ermordet. Womöglich nicht ganz zufällig, wie sein Bruder Merten ahnt. Andreas Schäfer erzählt in seinem Roman Wir vier von einem Trauma und den Versuchen, die unerträgliche Starre, die es über das Leben legt, aufzubrechen.

In Zusammenarbeit mit DAS MAGAZIN

Mo. 05.07. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

José F. A. Oliver „fahrtenschreiber“

Beatrix Langner im Gespräch mit dem Lyriker

1992 erschien José F. A. Olivers erster Gedichtband Gastling. Der Sohn spanischer Einwanderer, geboren in einer schwäbischen Kleinstadt im Schwarzwald, übersetzte als Sängerpoet die weiche Melancholie andalusischer Landschaften in hart skandierte syntaktische Steinbrüche. Der jüngste Gedichtband des Chamisso-Preisträgers von 1997, fahrtenschreiber, belauscht die Bäume beim Einwurzeln, entziffert „die fraktur der zeitfiguren“ und protokolliert die Reisen seiner nomadischen Worte zwischen Morgenprosa und „Novemberrosen“, zwischen Sprachen, Ländern und Heimaten.

Mi. 07.07. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

„Verlass dich, dass ich dir nicht fehle“ Briefwechsel zwischen Herz und Ruhm, Teil 2: „Thomas Bernhard – Siegfried Unseld. Der Briefwechsel“

Thomas Wild im Gespräch mit dem Herausgeber Raimund Fellinger
Es liest Meike Schlüter

Thomas Bernhard war die Diva unter den deutschsprachigen Schriftstellern: eifersüchtig, launenhaft, skandaltrainiert, geldgierig – und genial. Wie es dem Leiter des Suhrkamp Verlags Siegfried Unseld gelang, diesen einzigartigen Empfindungs- und Beschimpfungsvirtuosen über 25 Jahre in seinem Verlag zu halten, zeigt der von Raimund Fellinger u.a. herausgegebene Briefwechsel zwischen dem Verleger und seinem Autor. Er bildet ein weiteres Lehrstück über den Brief als Genre zwischen Geld und Genie, Öffentlichkeit und Intimität.

Do. 08.07. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Das RAF-Syndrom

Carolin Emcke „Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF
Michael Sontheimer „Natürlich kann geschossen werden“. Eine kurze Geschichte der Roten Armee Fraktion

Noch immer halten neue Erkenntnisse über die Taten der Roten Armee Fraktion die Justiz, Politik und Gesellschaft in Atem. Folgende Beobachtungen zeigen zudem, wie provokant das Thema nach wie vor ist: die avantgardistische Dominanz von Frauen innerhalb der RAF, der stereotypisch „deutsche“ Fanatismus der Gruppe sowie die Rolle des Verfassungsschutzes als Agent provocateur des Terrorismus in Deutschland. Carolin Emcke, Autorin und Patenkind des von der RAF ermordeten Bankiers Alfred Herrhausen, und Michael Sontheimer, Historiker und Journalist, sprechen über inzwischen 40 Jahre Rote Armee Fraktion und ihre schwierige Aufarbeitung.

Mo. 12.07. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Michael Lentz „Offene Unruh. 100 Liebesgedichte“

Michael Opitz im Gespräch mit dem Autor

Wenn man zu zittern beginnt und es nicht an der Kälte liegt, könnte die Liebe dafür verantwortlich sein. Erregtes Zittern gehört zu jenem Gefühl, an dem sich Generationen von Lyrikern abgearbeitet haben. Nun hat Michael Lentz mit seinem Gedichtband „Offene Unruh“ 100 Liebesgedichte in diese offene Lyrikkerbe gelegt. Es geht zart zu in diesen Gedichten, aber es wird auch nicht nur jubiliert. Manchmal zittert das verliebte lyrische Ich auch vor Wut, wenn die Angebetete schweigt. Michael Lentz versteht es, seine Gedichte zu lesen und seine Zuhörer in „Unruh“ zu versetzen.

Di. 13.07. 20 Uhr
Vortrag und Gespräch

Stefan-Zweig-Woche

Klemens Renoldner: Stefan Zweig – Ein Europäer aus Österreich
Ulrike Vedder: Die Dimension der Dinge. Objekte des Wissens, Begehrens und Verlierens in Stefan Zweigs Prosa

Am Ende des Ersten Weltkriegs sah sich der Pazifist Zweig in erster Linie als europäische Integrationsfigur. Er trat an, das geistige Erbe Europas zu retten und machte Kontroversen um Reformation und französische Revolution zu Themen seiner Bücher. Gleichzeitig feierte er mit seinen Novellen beim Publikum große Erfolge. Die Berliner Literaturwissenschaftlerin Ulrike Vedder (Humboldt Universität) versucht einen neuen Blick auf Stefan Zweigs Prosa.

Mi. 14.07. 20 Uhr
Lesung

Stefan-Zweig-Woche

„Brief einer Unbekannten“ – Novelle von Stefan Zweig
Es liest Chris Pichler
Einführung Klemens Renoldner

Als pubertäre Schwärmerei beginnt die Geschichte: eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen begegnet im Treppenhaus immer wieder dem berühmten Schriftsteller R. Wie andere Damen, die sie im Haus beobachtet, wird auch sie für einige Tage seine Geliebte. Und schon ist sie von ihm vergessen. Dass sie einen gemeinsamen Sohn zur Welt gebracht hat, dass dieses Kind starb und sie selber nun nicht mehr leben kann, das erfährt der Dichter in dem Brief einer ihm unbekannten Frau. Die Wiener Schauspielerin Chris Pichler liest die berühmte Novelle Stefan Zweigs aus dem Jahr 1922.

Do. 15.07. 20 Uhr
Vorträge und Gespräch

Stefan-Zweig-Woche

Rüdiger Görner: Erschriebene Leben. Zum Problem biografischen Erzählens bei Stefan Zweig
Daniela Strigl: Biografie als Intervention. Joseph Fouché, Erasmus von Rotterdam und Stefan Zweig
Moderation Klemens Renoldner

Die literarische Biografie, biographie romancée, erlebte in den 20er Jahren eine höchst erfolgreiche Blüte. Lion Feuchtwanger, Emil Ludwig, Franz Werfel, Heinrich Mann u.v.a. waren ihre Meister. Auch Stefan Zweig erlangte als Verfasser von Biografien und biografischen Studien Berühmtheit. Rüdiger Görner (University of London) und Daniela Strigl (Universität Wien) befragen die Modelle, an denen er sich orientierte, seine Methode, eine Lebensgeschichte zu skizzieren, sowie seinen Begriff von Geschichte.

Fr. 16.07. 20 Uhr
Diskussion

Stefan-Zweig-Woche

Bestsellerautor, Europäer, Emigrant – Zu Stefan Zweigs Wirkungsgeschichte
Mit Andrea Grill, Knut Beck, Rüdiger Görner und Oliver Matuschek
Moderation Daniela Strigl

Zum Abschluss der Stefan-Zweig-Woche findet eine Podiumsdiskussion statt: Über die Chancen heutiger Rezeption. Was ist das, das uns heute an diesem Autor faszinieren könnte? Wo sollen künftige Forschungen zu einem neuen Stefan-Zweig-Bild ansetzen? Ein Podiumsgespräch mit einer österreichischen Schriftstellerin, dem langjährigen Herausgeber der Stefan-Zweig-Werkausgabe im S. Fischer-Verlag, einem renommierten Londoner Literaturwissenschaftler und dem Verfasser einer Stefan-Zweig-Biografie.

Di. 20.07. 20 Uhr
Buchvorstellung

Markus Gasser „Das Königreich im Meer. Daniel Kehlmanns Geheimnis“

Moderation Hans-Peter Kunisch

Mit seiner Monografie über Daniel Kehlmann stellt Gasser dessen Werk in einen weltliterarischen Kontext. Wenn Daniel Kehlmann attestiert wird, er schreibe klug, charmant und fast unverschämt unterhaltsam, so ist das in Deutschland ein Lob mit Haken, hinter dem Skepsis lauert, ob man „ganz große Literatur“ nennen könne, was derart angenehm zu lesen sei. Es ist diese Leichtigkeit nicht zu bestreiten, wohl aber die Berechtigung der skeptischen Folgerung.

Mi. 21.07. 20 Uhr
Buchpremiere

Volkmar Billig „Inseln. Geschichte einer Faszination“

Moderation Hartmut Böhme

„Über Inseln lässt sich viel erzählen, man findet leichter den Anfang als das Ende dabei.“ Volkmar Billig ist Ernst Jüngers Diktum gefolgt, ist seiner Faszination für Inseln nachgegangen und hat dabei zahlreiche Inselträume aus Literatur, Kunst und Philosophie aufgespürt. Denn Inselvorstellungen und damit verknüpfte utopische, exotische, idyllische und erotische Assoziationen spielen in der Literatur- und Kunstgeschichte eine ebenso außerordentliche Rolle wie im Alltag.

Do. 22.07. 20 Uhr
Buchpremiere

Wulf Kirsten: „Beständig ist das leicht Verletzliche“. Gedichte in deutscher Sprache von Nietzsche bis Celan

Der Verleger Egon Ammann im Gespräch mit dem Lyriker und Herausgeber

In seinem Anthologie-Band teilt Wulf Kirsten neben Bekanntem auch kostbare Neu- und Wiederentdeckungen und lyrische „Geheimtipps“ an den Leser aus, die dieser wie ein Textwanderer entdecken darf und kann. Es ist ein Vergnügen, dem Dichter und Autor, der für diese Sammlung 20 Jahre lang recherchierte, zu folgen: im Vordergrund steht das einzelne Gedicht, seine sprachliche und kompositorische Schönheit und Einzigartigkeit, nicht unbedingt sein exemplarischer Charakter für eine bestimmte Strömung zwischen 1880 und 1945.

Mo. 26.07. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Wolfgang-Koeppen-Woche

Wolfgang Koeppens Briefe an Marion Koeppen und Siegfried Unseld
Mit Anja Ebner und Bernhard Fetz
Aus den Briefen liest Daniel Minetti
Moderation Hans-Ulrich Treichel

Die Briefwechsel Wolfgang Koeppens mit seinem Verleger Siegfried Unseld und mit seiner Ehefrau Marion Koeppen erlauben nicht nur bisher verborgene Einblicke in das Leben Wolfgang Koeppens, sein Arbeitsleben einerseits und sein Eheleben andererseits. Es sind zugleich auch Erzählungen zweier Dramen: Das eine handelt von Koeppens Kampf um seinen ‚großen Roman’, den er seinem Verleger immer wieder versprochen, aber niemals geschrieben hat. Und das andere vom Kampf um das Glück seiner Ehe und die Rettung seiner psychisch gefährdeten Ehefrau Marion. Zwei Kämpfe, die Koeppen am Ende nicht bestand. Im Gespräch mit Anja Ebner, der Herausgeberin der Briefe von Wolfgang und Marion Koeppen, und mit Bernhard Fetz, Autor einer Monografie über Koeppen, Direktor des Österreichischen Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek und Biografietheoretiker, soll die dokumentarische und literarische Bedeutung der beiden Briefwechsel erörtert werden.

Di. 27.07. 20 Uhr
Vorträge und Gespräch

Wolfgang-Koeppen-Woche

„Das biografische Geheimnis“ – Auf den Spuren von Wolfgang Koeppens Biografie
Mit Monika Schmitz-Emans und Jörg Döring
Moderation Hans-Ulrich Treichel

Im Jahr 2001 erschien Jörg Dörings maßstabsetzende und die Koeppen-Forschung nachhaltig bereichernde biografische Studie „…ich stellte mich unter, ich machte mich klein …“ Wolfgang Koeppen 1933–1945, die Koeppens bis dahin weitgehend verborgenen ‚Lebensroman’ dieser Zeit nachzeichnet. Dazu gehört seine Arbeit als Drehbuchautor bei der Bavaria, sein holländisches ‚Exil’, seine frühe Verbindung mit der zwanzig Jahre jüngeren späteren Ehefrau Marion wie auch die Umstände seiner lange Zeit nicht offenbarten Autorschaft von Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch (1948), die schließlich im Jahr 1992 unter dem Autornamen Koeppens und dem Titel Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch erneut erschienen und zu einer heftigen Debatte über Koeppens erst verschwiegene und dann offene literarische Aneignung eines jüdischen Schicksals führten. Jörg Döring, Professor für Neuere deutsche Literatur und Medien (Universität Siegen) wird mit Monika Schmitz-Emans, Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (Ruhr Universität Bochum) und unter anderem Spezialistin für „Die innere und äußere Fremde“, „Das Überleben im Text“ und die Poetik des Schreibens, der Bedeutung des Biografischen im Werk Wolfgang Koeppens nachgehen.

Mi. 28.07. 20 Uhr
Gespräch

Wolfgang-Koeppen-Woche

„Ich bin ein konservativer Anarchist“ – Der Zeitkritiker Wolfgang Koeppen
Mit Raimund Fellinger und Axel Schildt
Moderation Hans-Ulrich Treichel

Wolfgang Koeppens Romantrilogie Tauben im Gras (1951), Das Treibhaus (1953) und Der Tod in Rom (1954) gehört nicht nur zu den ästhetisch und stilistisch bemerkenswertesten Büchern der Nachkriegsliteratur, mit denen Koeppen an die Traditionen der literarischen Moderne und an Autoren wie Joyce, Dos Passos oder Faulkner anschließt. Koeppens Nachkriegstrilogie zeichnet sich darüber hinaus durch eine pointierte und zuweilen radikale Kritik der sogenannten Adenauerzeit aus, der er die Restauration derjenigen Verhältnisse vorwirft, die einst zu Naziherrschaft und Krieg geführt haben. Raimund Fellinger, Cheflektor des Suhrkamp Verlages und Axel Schildt, Professor für Neuere Geschichte sowie Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und Autor der jüngst erschienenen Monografie Deutsche Kulturgeschichte: die Bundesrepublik – 1945 bis zur Gegenwart (zus. mit Detlef Siegfried), widmen sich der Frage nach der gesellschaftspolitischen Substanz von Wolfgang Koeppens Zeitdiagnose.

Do. 29.07. 20 Uhr
Gespräch

Wolfgang-Koeppen-Woche

Vergebliche Reisen? – Wolfgang Koeppen unterwegs
Mit Walter Erhart und Hermann Schlösser
Moderation Hans-Ulrich Treichel

Einen „Seitenpfad“ und „Irrweg“ hat Marcel Reich-Ranicki Wolfgang Koeppens Reisebücher genannt, wogegen Koeppen selbst von „Umwegen zum Roman“ gesprochen hat. Die Umwege haben freilich nicht zum erwarteten nächsten und gar großen Roman geführt, und Koeppens Reisebücher Nach Rußland und anderswohin (1958), Amerikafahrt (1959) und Reisen nach Frankreich (1961) stellen von heute aus betrachtet eine bedeutsame und eigenständige Phase in Koeppens literarischem Schaffen dar, denen als eigenständige Publikation nur das Prosafragment Jugend (1976) gefolgt ist. Walter Erhart, Professor für Germanistische Literaturwissenschaft (Universität Bielefeld) und Herausgeber von Koeppens Reisebüchern innerhalb der neuen Werkausgabe Koeppens im Suhrkamp Verlag sowie Hermann Schlösser, Feuilletonredakteur der Wiener Zeitung und unter anderem Autor einer Monografie über „Reiseformen des Geschriebenen“, machen sich gleichsam auf den kritischen Weg zum Reisenden Wolfgang Koeppen.

Fr. 30.07. 20 Uhr
Film und Gespräch

Wolfgang-Koeppen-Woche

Das Treibhaus. Nach dem Roman von Wolfgang Koeppen. Ein Film von Peter Goedel
Mit Peter Goedel
Moderation Hans-Ulrich Treichel

AUSSER HAUS
Ort: Babylon, Großer Saal
Rosa-Luxemburg-Str. 30
10178 Berlin

Den „Glücksfall einer Literaturverfilmung“ nannte der Tagesspiegel Peter Goedels Verfilmung von Wolfgang Koeppens Roman Das Treibhaus mit Christian Doerner, Rüdiger Vogler, Hanns Zischler u.a. als Darsteller. Die Filmvorführung im Kino Babylon findet in Anwesenheit des Regisseurs statt.
In Zusammenarbeit mit dem Kino Babylon

Ausstellungen/ Seminare/ Workshops … []

01.07.-31.08.2010
Ausstellung

Volker Sieben: "Melancolia (Marry me)", 2010 - Öl, Pencil, Kreide auf Leinwand

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