Veranstaltungsprogramm – September 2010

Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im September 2010.

Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Lesungen/ Buchvorstellungen/ Filme … []

Mi. 01.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Anke Stelling „Horchen“

Moderation Wiebke Porombka
Gesprächspartner: Dirk Kroegel

Dass Glück und persönliche Freiheit zusammenhängen, ist eine Art Zauberformel der modernen Gesellschaft. Die dreißigjährige Katja, die eine Kinderladenkindheit, eine Wohnung mit Holzdielen und einen zugewandten Freund hat, müsste demzufolge glücklich sein. Und trotzdem verlässt sie eines Tages ihr altes Leben und verfällt Gernot, dem Anhänger einer fundamentalchristlichen Sekte. Anke Stelling geht in ihrem Roman der Frage nach, warum Fügung statt Freiheit, Gefolgschaft statt Sinnsuche in unserer Zeit eine derartige Faszinationskraft entfalten können. Der Abend wird begleitet durch Dirk Kroegel, Religions- und Sektenexperte des Berliner Senats.

In Zusammenarbeit mit DAS MAGAZIN

Do. 02.09. 20 Uhr
Dichterleben

Richard Pietraß im Gespräch mit Klaus Reichert

Als Anglist und Übersetzer ein Meister deutender Rede, versteht sich der 1938 in Fulda Geborene auch in seiner eigenen Poesie auf die Kunst der Andeutung. Der langjährige Professor und amtierende Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung kommt auf leisen Versfüßen einher. Sein in zwei Sprachen geschultes Gespür bewahrt ihn vor forscher Dichteramtsanmaßung, lässt ihn auf Kehl- und Fehllaute, Prall- und Gleitsilben und verschwundene Wörter achten, die, wie Windstöße in drückender Hitze oder Inseln im Sprachstrom wieder auftauchen.

Mi. 08.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

*** ACHTUNG: ENTFÄLLT! *** Schöne Morde, dreiste Ermittler. Ästhetik und Menschenbild des Kriminalromans, Teil 3: Der Mörder: Reiz und Natur des Bösen

Mit Andrea Maria Schenkel und Eckart Voland (Soziobiologe)

Moderation Thomas Wörtche

Seit es Menschen gibt, morden sie. Zertrümmerte Schädel, durchbohrte Herzen und gewürgte Hälse gehören zu ihrer Geschichte. Doch das blutige Treiben bleibt rätselhaft: Warum nur wieder und wieder ein Mord? Dieser alten Frage spüren Andrea Maria Schenkel und Eckart Voland je eigen nach: Die Autorin von Tannöd, Kalteis und Bunker (aus dem sie auch Passagen lesen wird) rollt wahre Fälle auf und seziert erzählerisch Opfer- und Verbrechernaturen, der Soziobiologe denkt in Jahrtausenden und begreift soziales Verhalten aus der Evolution. Woher also rühren Sinn und Reiz des Bösen?

Di. 14.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Alain Claude Sulzer „Zur falschen Zeit“

Sigrid Löffler im Gespräch mit dem Autor

Mit großer Dezenz und dennoch mit der Wucht einer griechischen Tragödie entfaltet Alain Claude Sulzer in seinem Roman Zur falschen Zeit die Geschichte eines Mannes, der an sich selbst und an den Zeitumständen, in denen er lebt, scheitert. Sigrid Löffler und Alain Claude Sulzer diskutieren über die Möglichkeiten der Literatur, anhand weniger Figuren das Panorama einer ganzen Gesellschaft zu entfalten.

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia

Mi. 15.09. 20 Uhr
Buchvorstellung und Gespräch

Martin Sabrow (Hg.) „Erinnerungsorte der DDR“

Étienne François im Gespräch mit dem Herausgeber

Die DDR gibt es nicht mehr: Im Gedächtnis der Ostdeutschen wie der Westdeutschen lebt sie aber weiter. Fünfzig Publizisten und Zeithistoriker aus Ost und West analysieren in dem von Martin Sabrow herausgegebenen Buch die wichtigsten Bezugspunkte der Erinnerung an ein untergegangenes Land: Vom Trabi bis zur Transitautobahn, von der Stasi bis zum Sandmännchen, vom Intershop bis zur Bückware, von der Jugendweihe bis zu den Montagsdemonstrationen.

Do. 16.09. 20 Uhr
Buchvorstellung und Gespräch

Wilhelm von Sternburg „Gotthold Ephraim Lessing“

Moderation Harro Zimmermann

„Angesichts der wachsenden gesellschaftlichen Intoleranz, dem „Kampf der Kulturen“ und Religionen und dem offenbar unbesiegbaren Rassismus ist die Stimme der Vernunft und Toleranz notwendiger denn je“, so Wilhelm von Sternburg. Nach Biografien über Feuchtwanger, Roth u.a. widmet er sich dem führenden Kopf der deutschen Aufklärung: Lessing. Die ästhetischen und philosophischen Schriften des Dramatikers haben Maßstäbe in der Weltliteratur gesetzt und seine Ideale von Humanismus und Wahrheitssuche sind heute so aktuell und gültig wie zu seinen Lebzeiten.
In Zusammenarbeit mit Radio Bremen

Mo. 20.09. 20 Uhr
Berliner Montagsdiskurs

Theater – Chanson – Politisches Lied

Paul Werner Wagner im Gespräch mit Gisela May

Die Schauspielerin Gisela May war ab 1951 Mitglied am Deutschen Theater und von 1962 an dreißig Jahre lang am Berliner Ensemble. 1957 erkannte Hanns Eisler ihr besonderes Talent für das Chanson. Gisela May gastierte neben ihrer intensiven Bühnen-, Film- und Fernseharbeit als gefeierte Sängerin in vielen Ländern Europas, in den USA und Australien. Gisela May versteht es immer wieder, das Publikum mit der Ausdruckskraft und Virtuosität ihrer Stimme zu gewinnen.

Di. 21.09. 20 Uhr
Buchpremiere und Gespräch

Jörg Aufenanger „Vierzig Tage im Leben des Heinrich von Kleist“

Moderation Jens Bisky

Anfang 1803 war Kleist für mehrere Wochen Gast bei Christoph Martin Wieland, einem der einflussreichsten Dichter in der damaligen deutschen Literaturszene. Wieland hatte Gefallen an dem „jungen Mann von seltenem Genie“ gefunden und bestärkte ihn in seinem radikal neuen dramatischen Stil. Machtlos muss er jedoch mit ansehen, wie Kleist immer wieder das eben Geschriebene vernichtet. Als dann noch Luise, die mehr als zehn Jahre jüngere Tochter Wielands, ins Spiel kommt, steigert sich Kleists Schaffenskrise zu einer Lebenskrise: Kleist flieht, ohne Abschied zu nehmen…

In Zusammenarbeit mit dem Kleist-Museum und dem Transit Verlag

Mi. 22.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Marie NDiaye „Drei starke Frauen“

Moderation und Übersetzung Vincent von Wroblewsky

Drei Lebensläufe, drei starke Frauen, die ihre Würde verteidigen: Die Autorin erzählt von den komplexen Beziehungen zwischen der ehemaligen Kolonie Senegal und der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, von Entwurzelung, Migrantentum und der Suche nach Identität. Auf besondere Weise kombiniert NDiaye ihre realistischen Erzählungen mit Elementen des Fantastischen und Surrealen. Oft spielen magische Tiere eine Rolle oder Dämonen, die ihr albtraumhaftes Unwesen treiben.

Do. 23.09. 20 Uhr
Lebenszeugnisse

Paul Schaffer „Als ich in Auschwitz war. Bericht eines Überlebenden“

Wolfgang Benz im Gespräch mit dem Autor und Ingrid Schupetta

Paul Schaffer wächst als Kind einer jüdischen Familie in Wien auf. Im Jahre 1938 flieht die Familie nach Belgien und später nach Südfrankreich, wo sie von der Vichy-Regierung ausgeliefert wird. Nach Aufenthalt in Internierungslagern wird die Familie nach Auschwitz deportiert. Die Frauen werden sofort ermordet, später auch der Vater. Paul Schaffer überlebt als Zwangsarbeiter bei der Firma Siemens-Schuckert. Zurück in Frankreich baut er sich ein neues Leben auf. Ingrid Schupetta, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle Krefeld, hat seine Erinnerungen ins Deutsche übertragen.

In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung

Mo. 27.09. 20 Uhr
Podiumdiskussion

Theater zwischen den Zeiten – Spielzeiteröffnung an den Berliner Bühnen

Hartmut Krug im Gespräch mit Christine Wahl, Dirk Pilz und Esther Slevogt

Was brachte die letzte Theatersaison? Was verspricht die neue Spielzeit in Berlin? Anhand ausgewählter Inszenierungen und kurzen Filmeinspielungen ziehen die Theaterkritiker Christine Wahl (Tagesspiegel), Dirk Pilz (Berliner Zeitung), Esther Slevogt (nachtkritik.de) und Hartmut Krug (Deutschlandradio Kultur) eine erste Bilanz zum Spielzeitwechsel in Berlin. Wie haben sich die einzelnen Bühnen thematisch, ästhetisch und dramaturgisch profiliert? Bedeutet die neue Spielzeit einen Einschnitt?

Di. 28.09. 20 Uhr
Buchvorstellung und Gespräch

Robert Winter „Täter im Geheimen“

Moderation Annette Leo

Der Grenzinspekteur der Geheimen Feldpolizei Wilhelm Krichbaum ist als Schreibtischtäter für unzählige NS-Verbrechen verantwortlich. Nach 1945 wurde er in einem Spruchkammerverfahren als „entlastet“ eingestuft und startete eine zweite Karriere. Für die Organisation Gehlen, den Vorläufer des heutigen BND, rekrutierte der Abwehrspezialist und Gestapo-Mann alte Kameraden aus der Feldpolizei-Zeit. Robert Winter hat die Geschichte des Wilhelm Krichbaum rekonstruiert. Er liefert ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie NS-Täter als Spezialisten im Kampf gegen den Kommunismus die Bundesrepublik der fünfziger Jahre mitprägten.

Mi. 29.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Josef H. Reichholf „Warum die Menschen sesshaft wurden. Das größte Rätsel unserer Geschichte“

Andrea Seibel im Gespräch mit dem Autor

Warum die Menschen sesshaft wurden? Ganz einfach: sie hatten sich zu viel Kram angeschafft, vor allem sperrige und zerbrechliche Tontöpfe, die sich nicht gut fürs Unterwegssein eigneten. Das erste kultivierte Getreide war die zum Bierbrauen verwendete Gerste. Die Tontöpfe, in denen das Getreide und das Bier aufbewahrt wurden, behinderten die Mobilität entschieden und so war das Bier ein Grund zum Sesshaftwerden. Das und mehr beschreibt Reichholf in seinem Buch.

Do. 30.09. 20 Uhr
Lesung und Gespräch

Urs Faes „Paarbildung“

Moderation Andreas Isenschmid

In Urs Faes‘ Roman geht es um die Auseinandersetzung zweier Menschen mit sich und der eigenen Vergangenheit. Der Gesprächstherapeut erkennt in seiner krebskranken Patientin eine frühere Geliebte. Und nun beginnt gleichzeitig mit dem Kampf gegen die Krankheit für beide eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit den Gründen des Scheiterns ihrer Liebe.

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia

Ausstellungen/ Seminare/ Workshops … []

01.09.-14.10.2010
Ausstellung

Tanja Zimmermann "über das Finden von Fülle und Leere" - Aquarelle

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