Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im Dezember 2011.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Gespräch mit:Noah Sow (Mitautorin des Buches), Susan Arndt und Nadja Ofuatey-Alazard
Moderation: Sarah Bieling
Entgegen vieler Auffassungen ist der Kolonialismus noch längst nicht Geschichte. Rassismus ist eine seiner gravierendsten Erblasten. Das Ziel des kritischen Sammelbandes „Wie Rassismus aus Wörtern spricht“ besteht darin, aufzuzeigen, wie sich Rassismus und Kolonialismus nachhaltig in die deutsche Sprache eingeschrieben haben. Dabei werden rassistische Begriffe analysiert und widerständige Benennungspraxen von People of Color diskutiert. Diese postkolonialen Analysen werden in historische und theoretische Erörterungen zu Kolonialismus und Rassismus eingebettet.
Der Verlust beider Eltern brachte den 1940 an der Schwarzen Elster Geborenen bald nach Beginn seiner Schulzeit zu Verwandten ins Ruhrgebiet. Und es dauerte bis 1974, dass er, schon ein Jahrzehnt in Berlin, die Siemenswelt gegen die Welt der Bücher tauschte und Dichter wurde. Als feinsinniger Sprachspieler, Heimatsucher und von der Heimat Heimgesuchter, fand er bei seinen Wiederbegegnungen mehr als er in der Kindheit verließ: die Welt der Lausitzer Sorben mit ihren offenen Türen zu den östlichen Nachbarn, denen er als Gast ihrer Treffen und Nachdichter die Treue hält.
Gesprächspartner: Wolfgang Kaleck, Herta Däubler-Gmelin
Moderation: Dominic Johnson
Sie führen ein ganz normales Alltagsleben in Deutschland, völlig unauffällig und unscheinbar. Und sie nutzen den internationalen Einfluss der Bundesregierung, um in der Bundesrepublik unentdeckt zu bleiben. Denn sie sind von Interpol gesuchte und auf der „black list“ geführte Kriegsverbrecher, sogenannte „Warlords“, die von Deutschland aus unbehelligt agieren können. So war es möglich, dass der Präsident der Hutu-Rebellen im Kongo von Mannheim aus ein Massaker planen und steuern konnte. Ausgebildet wurde er in einer Elite-Einrichtung der Bundeswehr. Wie das möglich ist und welche gravierende Rolle dabei die Bundesregierung spielt, hat Markus Frenzel recherchiert.
Regie und Percussion: Saburo Shimada
Es lesen: Kei Ichikawa, Kana Torino, Amanda Schütze, Yumiko Saito, Aya Matsumura, Alejandra Langner, Maria Teresa Costa, Gabriella Sgambati und Torsten Flüh
Sie lebt bereits einige Jahre in Paris, doch die Welt der vietnamesischen Protagonistin ist der Film. Im Kino verknüpft sich das Leben ihres erzählerischen Ichs immer mehr mit Filmhandlungen: Eine Melodie wellt sich auf der Leinwand, Schiffe mit Drachenflügeln werden von vietnamesischen Männern und Frauen navigiert und gerudert. Sekunden später erscheint ein Name in rosa Schrift auf dem Bild – ein immer wieder atemberaubender Höhepunkt des Films: Bevor der Titel verraten wird und die Geschichte beginnt, muss dieser Name aus dem Meeresgrund auftauchen. Ohne diesen Namen gäbe es keine Schauspielerin, ohne sie keine Elaine Devries, die in Indochina gelebt haben soll – ohne Elaine keine Geschichte zu erzählen… Im Anschluss an die szenische Lesung laden die Autorin und das Ensemble zur Diskussion ein.
Es spielt Martin Valdeig
Regie Thomas Donndorf
Eintritt frei!
Ein Bataillonskommandeur, der die Deutschen vor Moskau aufhielt, Deutschland, Berlin, einnahm, dem sein Reich, sein Vaterland, die Sowjetunion unterging, der den Freund erschießen ließ, sie alle sterben sah, wird, an diesem Abend, eingeladen vom Literaturforum im Brecht-Haus und dem „ Heiner Müller Archiv / T ransitraum“, über seine Erfahrungen sprechen.
„Wir lagen zwischen Moskau und Berlin /
Im Rücken einen Wald ein Fluß vor Augen /
Zweitausend Kilometer weit Berlin /
Einhundertzwanzig Kilometer Moskau“
Gastveranstaltung „Heiner Müller Archiv / Transitraum“, Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität Berlin
(Vortrag von Gesine Bey und Gespräch mit Erdmut Wizisla)
>>> ACHTUNG! DIE VERANSTALTUNG AM 13.12.2011 ENTFÄLLT!
(Das Bertolt-Brecht-Archiv hat einen historischen Bestand aufgearbeitet, „Drucke im Nachlass“, der bisher nicht systematisch zu recherchieren war: Zeitungsausschnitte über Brecht und sein Werk. Brecht hat sie gesammelt, bekam sie von Zeitungsausschnittdiensten oder von Freunden zugesandt – und hob sie auf. Der Bestand überrascht durch seine dokumentarische Breite: Vorankündigungen in der Presse, die Masse der Kritiken seiner Werke, Kampagnen, die 1932 bis zu seiner Flucht gegen ihn geführt wurden. Aus der Exilzeit wurden bisher unbekannte Interviews gesichtet, Übersetzungen, die sein Wirken in den Exilländern belegen. Nach der Rückkehr verweisen die Zeitungsausschnitte auf Lob und Angriffe in der DDR und im Westen. Gesine Bey stellt die „Drucke im Nachlass“, die sie aufgearbeitet hat, vor und spricht mit Erdmut Wizisla, dem Leiter des Archivs, über die Bedeutung des Textkonvoluts für die Brecht-Forschung und für unser Bild des Autors und Zeitungslesers Bertolt Brecht.)
Jörg Magenau und Frauke Meyer-Gosau im Gespräch Andrej Hermlin
Zwei Kritiker laden einen prominenten Gast ins Literaturforum ein, um mit ihm über neu erschienene Romane und Erzählungen zu diskutieren und ihn über seine Lese-Erlebnisse zu befragen. Der Gast stellt sein Lieblingsbuch vor, darüber hinaus geben die Gesprächspartner kurze Empfehlungen zu Büchern aus der laufenden Produktion. Aus jedem der zur Diskussion gestellen Bücher gibt es eine kurze Lesung. Im Gespräch mit Andrej Hermlin geht es unter anderem um Andrej Stasiuk „Hinter der Blechwand“ und Miljenko Jergović „Wolga, Wolga“.
In Zusammenarbeit mit „Literaturen“
Wolfgang Benz im Gespräch mit der Autorin und Babette Quinkert
Als die Deutschen im Frühjahr 1944 in Ungarn einmarschieren, beginnt die Verfolgung und Ermordung der dort lebenden Juden. Die elfjährige Eva Szepesi wird von ihrer Mutter in die Slowakei geschickt. Von nun an lebt das jüdische Mädchen auf der Flucht. Sie findet Verstecke bei gutwilligen Menschen, doch schließlich wird sie gefangen genommen und nach Auschwitz verschleppt. Nach dem Krieg schweigt Eva Szepesi fünfzig Jahre lang. Erst Mitte der neunziger Jahre kann sie über das Erlebte sprechen. Die Historikerin Babette Quinkert hat sie bei der Abfassung ihrer Lebenserinnerungen unterstützt.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Mit Robert Gallinowski, Kerstin Hensel und Ulrich Kempendorff
“Korrektur-Passagen”, unter diesem Titel präsentiert der als Schauspieler bekannte Robert Gallinowski, hier bislang weitgehend unbekannt gebliebene Seiten seiner künstlerischen Tätigkeit: Lyrik, Malerei und Musik. Das Ganze wird begleitet durch ein Gespräch mit der Schriftstellerin und Lyrikerin Kerstin Hensel.
Eine Gastveranstaltung anlässlich der aktuellen Ausstellung im Literaturforum im Brecht-Haus
Was passiert, wenn die Enge von Familien, die keine mehr sind, nicht mehr zu ertragen ist? Wenn Desinteresse, Gewalt, manchmal auch emotionale Verwahrlosung das eigene Leben beschädigt? Wenn man sich finden will, fernab von dem, was anderen schon missglückt ist? Man gehorcht dem Fluchtreflex und geht in die weite Welt. Die weite Welt, das ist für viele Berlin und der Alexanderplatz – ein Ort, an dem Ausreißer und Gestrandete, Vagabunden und Crash-Kids eine Gemeinschaft bilden. Sie treffen hier auf Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Göran Gnaudschun abstrahiert und transformiert in seinen Bildern die vielen Szenen, mit denen er am Alexanderplatz konfrontiert wird. Es geht ihm bei seinen Portraits um die Wiedererlangung von Würde: “Ich möchte in meinen Bildern etwas freilegen, was man oft verschüttet glaubt: innere Integrität, Selbstbewusstheit und auch Schönheit. ”
Die Idee für die Ausstellung gründet in dem Gedanken, verschiedene künstlerische Schaffensbereiche ein und derselben Person, nämlich Malerei, Dichtung, Schauspielerei sowie Musik zusammen unter ein Dach zu stellen. Es geht darum, den künstlerischen Weg einer Person anhand der jeweiligen Betätigungsbereiche und Werke aufzuzeigen – nicht in dem Wunsch, mit Vielseitigkeit zu prahlen, sondern diese Vielseitigkeit unter dem Aspekt von “Fluch und Gabe” zu beleuchten. Wieso muss ein Schauspieler auch noch Maler, Dichter und Musiker sein wollen?
Konzept: Robert Gallinowski
(Eröffnung am 17.12.2011, 17 Uhr, siehe Veranstaltungen)