Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im Januar 2012.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Moderation René Strien
Aus den Texten Schlesingers liest Jutta Wachowiak
Klaus Schlesinger gilt als Autor, der sich nicht vereinnahmen ließ, weder von der DDR, noch vom Westen. Diese Widerspenstigkeit, die niemals laut oder aufdringlich wurde, zeichnet auch seine literarischen Arbeiten aus. Am 9. Januar 1937 wurde Schlesinger in Berlin geboren, wo er 2001 verstarb. Sein Geburtstag ist Anlass, sich seiner Texte zu erinnern und seines Lebens als Künstler, Bohemien und Hausbesetzer, das Astrid Köhler in ihrer neu erschienenen Biografie nachgezeichnet hat.
In Zusammenarbeit mit dem Aufbau Verlag
Moderation Ralph Schock
Rüdiger Stolzenburg, 59 Jahre alt, hat seit 15 Jahren eine halbe Stelle als Dozent an einem kulturwissenschaftlichen Institut. Seine Aufstiegschancen tendieren gegen null, mit seinem Gehalt kommt er eher schlecht als recht über die Runden. Er ist ein prototypisches Mitglied des akademischen Prekariats. Dieser ‚Klasse’ fehlt jede Zukunftshoffnung: Die selbst gesetzten Maßstäbe an die universitäre Lehre lassen sich nicht aufrechterhalten; die eigene Forschung führt zu keinem greifbaren Resultat. Seine Bemühungen, eine ihn ruinierende Steuernachforderung zu erfüllen, machen ihm endgültig deutlich: die Welt, die Wirtschaft, die Politik, die privaten Beziehungen – alles ist prekär…
In Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk
(Sendetermin: Dienstag, 24.01.2012, SR 2 KulturRadio, „Literatur im Gespräch“, 20.04 Uhr)
Moderation Ingo Arend
In der Reihe >LITERATUR WIE KUNST<
Im Jahr 2001 beginnt der Klimaanlagen-Milliardär Aloysius Tong aus Singapur eine Psychotherapie. Um seine Depressionen zu überwinden, überredet ihn sein Psychiater, Kunst zu sammeln. Der frisch infizierte Kunstjunkie erwirbt den berühmten Tigerhai Damien Hirsts. Der junge Brite ist mit seinen präparierten Tieren einer der teuersten und berühmtesten Künstler der Welt geworden. Bis der Tigerhai eines Tages zu faulen beginnt. Mit „Kosmas“ hat der Berliner Künstler, Kurator, Autor, Islandexperte und Elfenforscher Wolfgang Müller, 1980 Mitbegründer der legendären Band „Die Tödliche Doris“, eine beißende Satire auf den zeitgenössischen Kunstbetrieb vorgelegt.
Moderation Jörg Magenau
Eine Familie, vier Generationen: Eugen Ruge erzählt in seinem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ eine weit ausgreifende Geschichte der DDR, die von den fünfziger Jahren über die Wende hinweg bis zum Beginn des neuen Jahrtausends reicht. Die Großeltern kehrten einst aus dem mexikanischen Exil, die Eltern aus der sibirischen Verbannung zurück, um am Aufbau des Sozialismus mitzuwirken. Von ihren Hoffnungen ist nicht mehr viel übrig, als der Sohn, kurz vor dem Mauerfall und ausgerechnet am 90. Geburtstag des Patriarchen, in den Westen geht. Er fehlt beim Geburtstagsfest, das den Mittelpunkt des Geschehens bildet und immer wieder aus wechselnden Perspektiven der zahlreichen Familienmitglieder erzählt wird. Ruge macht die Geschichte aus all ihren unterschiedlichen Blickwinkeln deutlich. Er erzählt mit viel Humor, voll bitterer Erfahrung, aber ohne jemals zu denunzieren.
Moderation Holger Teschke
Von St. Anthony auf Neufundland bis nach Key West (Florida), entlang der Atlantikküste, führte eine hunderttägige Fahrt die Reisereporterin Zora del Buono und ihr Windspiel Topolino. Sie begegnen Hummerfischern und Hollywoodschauspielerinnen, Tea-Party-Paaren und einsamen Puritanern, illegalen Immigranten und Immigrationsforschern, und es stellt sich immer wieder die Frage: Ab wann wird man eigentlich Amerikaner? Eine Odyssee durch ein Amerika im Umbruch.
Moderation Jens-Christian Rabe
Bob Dylan ist 70 geworden und sorgt mit seiner Musik und der Art seines Auftritts immer wieder für Diskussionen. Nicht um die Person Bob Dylan geht es Olaf Benzinger. Mit seinem Buch gelingt ihm eine detailreiche Schilderung des musikalischen Werkes. Der Autor hat dazu Studioprotokolle ausgewertet und handelt alle(!) Dylan-Songs vor ihren jeweiligen musikalischen Hintergründen ab.
Wolfgang Benz im Gespräch mit Angelika Benz
Von November 2009 bis Mai 2011 stand John (Iwan) Demjanjuk vor dem Landgericht München II – angeklagt der 27 900-fachen Beihilfe zum Mord, begangen 1943 im Vernichtungslager Sobibór. War der in einem Kriegsgefangenenlager rekrutierte Trawniki-Mann unbeteiligter Wachsoldat, williger Handlanger der SS oder Mörder aus eigenem Antrieb? Angelika Benz hat den Prozess von Anfang bis Ende beobachtet. Sie rekonstruiert die Verhandlungen, porträtiert den Angeklagten, Richter, Staatsanwalt, Verteidiger und Nebenkläger und stellt die historischen Hintergründe dar. Momentaufnahmen aus dem Gerichtssaal geben einen präzisen Einblick in den Prozessalltag.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Moderation Erhard Schütz
Back to the 80s führt Jan Brandt in seinem Debütroman „Gegen die Welt“. Es geht um eine Jugend in Ostfriesland und um die alltäglichen Kämpfe, die der Protagonist Daniel Kuper in seinem Dorf und gegen dessen Bewohner auszutragen hat. Auf über 900 Seiten liefert Jan Brandt, dessen Erzählung immer wieder zwischen Hyperrealismus und Science Fiction oszilliert, eine ungemein detailfreudige, schrecklichkomische Bestandsaufnahme der Provinz.
In Zusammenarbeit mit „Das Magazin“
Jürgen Hosemann im Gespräch mit Siegfried Ressel
Er war der Heizer aus Meuselwitz, der nachts Weltliteratur verfasste. Der Literaturbetrieb, der ihn schließlich feierte, blieb ihm zeitlebens fremd. Er fühlte sich im Osten wie im Westen als Außenseiter. Der Schriftsteller Wolfgang Hilbig wäre am 31. August letzten Jahres 70 Jahre alt geworden. Siegfried Ressels Film „Hilbig. Eine Erinnerung“ widmet sich dem kompromisslosen wie katastrophischen Künstlerleben Hilbigs, dessen Literatur zu der sprachmächtigsten der Gegenwart zählt. Im Film erinnern sich Freunde, Kollegen und Lebensgefährtinnen an den Dichter, dessen Biografie überschattet war von Bindungslosigkeit, Heimatverlust und Alkoholsucht.
Moderation Wiebke Porombka
Oft ist es der Tod eines Menschen, der einen zurückführt an einen Ort und in eine Zeit, mit denen man längst abgeschlossen zu haben glaubte. Auch Jens Wonneberger lässt in seinem Roman „Sture Hunde“ einen Mann in das ostdeutsche Dorf seiner Jugend zurückkehren, als der seinen Vater beerdigen muss. Unversehens reißen alte Wunden auf, muss der Sohn sich den Fragen über das eigene Fehlgehen und das vermeintliche Scheitern des Lebens stellen. Schwerlich entziehen kann man sich diesem bei aller äußeren und inneren Dramatik stillen Erzählen Wonnebergers.
Die Idee für die Ausstellung gründet in dem Gedanken, verschiedene künstlerische Schaffensbereiche ein und derselben Person, nämlich Malerei, Dichtung, Schauspielerei sowie Musik zusammen unter ein Dach zu stellen. Es geht darum, den künstlerischen Weg einer Person anhand der jeweiligen Betätigungsbereiche und Werke aufzuzeigen – nicht in dem Wunsch, mit Vielseitigkeit zu prahlen, sondern diese Vielseitigkeit unter dem Aspekt von “Fluch und Gabe” zu beleuchten. Wieso muss ein Schauspieler auch noch Maler, Dichter und Musiker sein wollen?
Konzept: Robert Gallinowski
(Eröffnung am 17.12.2011, 17 Uhr, siehe Veranstaltungen)