Die Veranstaltungen und unser Begleitprogramm (Ausstellungen, Seminare, Workshops …) im März 2012.
Eintritt, wenn nicht anders angegeben: 5 € / ermäßigt 3 €. Kein Kartenvorverkauf. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Annett Gröschner im Gespräch mit Birgit Dahlke
Wolfgang Hilbig (1941–2007), einer der wenigen Büchner-Preisträger mit proletarischer Herkunft! Als vaterlos aufgewachsenes Kriegskind begann er am Küchentisch eines Hauses zu schreiben, in dem es so gut wie keine Bücher gab. Birgit Dahlke beschreibt den Autor als sprachgewaltigen Schweiger und fragt nach den widersprüchlichen Erfahrungen, die das gesamte Werk Wolfgang Hilbigs grundieren: als Dunkelheit, aber auch als unverhohlene Lust an der Schwärze und Verdüsterung. Die Biografin hat Selbstzeugnisse, den Nachlass, Briefe und Unterlagen der Staatssicherheit bis hin zu sächsischen Lokalzeitungen der 60er Jahre ausgewertet sowie Interviews mit Verwandten und Kollegen geführt.
Moderation: Marianne Mühlichen
Federn und Federn lassen: Wen das Leben gerupft hat, findet Zuflucht auf dem „Gnadenhof“ oder in einer der anderen Erzählungen, die in Kerstin Hensels neuem Buch unter dem Titel „Federspiel. Drei Liebesnovellen“ versammelt sind. Da ist zum Beispiel die geistig verwitterte Philosophenwitwe Gerlinde Ladegast, die ihre Kriegsgeschichte so satt hat, dass sie die Nachkriegssuppe der Tochter ins Gesicht spuckt, bis diese sich eines Tages davonmacht, woanders ein anderes Glück zu suchen. Von der Ostsee bis nach Südtirol – wo immer Hensel die Geschichten ihrer Figuren spielen lässt, werden sie zu Zerr- und Zauberspiegeln, die tief blicken lassen: in die Abgründe deutscher Geschichte, auf die Kehrseiten der Gegenwart und über die Ränder sogenannter Wirklichkeit hinaus.
In Zusammenarbeit mit dem Luchterhand Literaturverlag
Moderation: Michael Rohrwasser
Im vorrevolutionären Russland ein angesehener Maler mit großem Interesse für Okkultismus, hatte Nikolai Roerich beste Kontakte zum Zarenhof, aber auch zu Maxim Gorki oder Alexander Blok. Später tauchte er in New York auf und schuf eine eigene mystische Lehre. In den zwanziger Jahren ließ er sich von reichen Gönnern eine Expedition finanzieren, die ihn auf der Suche nach den “Mahatmas”, den heimlichen Herrschern der Welt, über die Mongolei nach Tibet führte. In den dreißiger Jahren kam er mit Präsident Roosevelt und anderen Regierungsmitgliedern der USA in Kontakt, was eine weitere Expedition (vom US-Landwirtschaftsministerium finanziert) zur Folge hatte. 1947 starb er in Indien.
KD Wolff im Gespräch mit Karlheinz Braun und Urs Widmer (zwei der Autoren des Buchs)
Im Jahre 1968 verlor der Suhrkamp-Verlag auf einen Schlag fünf namhafte Lektoren. Ihr Versuch, gegenüber dem Verleger Siegfried Unseld eine umfassende Mitbestimmung im Verlagsgeschäft zu erstreiten, war gescheitert. Ein Jahr später gründeten die ehemaligen Suhrkamp-Lektoren den „Verlag der Autoren“, der einzig seinen Autoren und Mitarbeitern gehören sollte. Im Gespräch mit KD Wolff erinnern sich Karlheinz Braun und Urs Widmer, die zu den Rebellen gehörten, an den „Aufstand der Lektoren“ und seine Folgen für die deutsche Verlagslandschaft.
Moderation: Ingo Arend
In der Reihe > LITERATUR WIE KUNST <
Beim Stichwort „französische Kunst, Ende 18. Jahrhundert“ fällt Kennern vielleicht noch am ehesten Jacques-Louis David ein, aber kaum einer erinnert sich an Marie Louise Élisabeth Vigée-Lebrun. Dabei war die französische Künstlerin eine der berühmtesten Malerinnen ihrer Zeit. Sie musste vor der Französischen Revolution fliehen und kehrte später triumphal zurück. Nach ihrem Tod 1842 hinterließ sie über 800 Werke. Bekannt wurde sie durch ihre Porträts von Marie Antoinette über Zarin Katharina der Großen bis Lord Byron. Mit „Lichter setzen über grellem Grund“ erinnert die Berliner Schriftstellerin Renate Feyl an eine vergessene Malerin der europäischen Kunstgeschichte auf der Suche nach der „Farbe des Lebens“.
Moderation: Steffen Martus
„Noch nie waren so viele Raubvögel zu sehen gewesen“ – der erste Satz aus Marlene Streeruwitz‘ neuem Roman „Die Schmerzmacherin“, der für den Deutschen Buchpreis 2011 nominiert war, lässt sich als eine große Metapher einer neuen Weltordnung lesen. Streeruwitz beschreibt diese Zeit und verleiht ihr ein Gesicht. Amy Schreiber, die Hauptfigur des Romans, arbeitet für einen privaten Sicherheitsservice und kann die Abgründe der Gewalt nur ahnen, die sich hinter ihren geheimen Operationen abzeichnen. Als sie aussteigen will, gerät sie endgültig in die Fänge einer undurchsichtigen Organisation.
Moderation: Michael Opitz
Für Hannes Felix ist Ordnung nicht nur das halbe, sondern eigentlich das ganze Leben. Und als der Held in Jens Sparschuhs Roman „Im Kasten“ akribisch ordentlich den Koffer seiner Frau packt, bemerkt er nicht, dass just in diesem Moment sein Leben in Unordnung gerät. Denn Monika wird ihn angesichts des Versuches, Ordnung zu schaffen, verlassen. Während sie sich auf die Suche begibt, ist er überzeugt, dass es ums Finden geht. Das ordentliche Leben weist im Roman chaotische Züge auf, und was der Autor im Kleinen festhält, lässt sich als Gesellschaftssatire lesen. Ordnung als Form der Lebensoptimierung: Wenn sich Jens Sparschuh auf ein solches Thema einlässt, wird aus der ernsten Angelegenheit unter der Hand eine Komödie.
Moderation: Monika Grütters
Als Brecht sich 1928 zur Oper äußerte, legte er eine Fallstudie über den Verblendungszusammenhang des bürgerlichen Opernbetriebs vor und forderte nicht weniger als eine Demokratisierung des gesamten Apparats, um dem kritisch-reflektierenden Zuschauer zu seinem Recht zu verhelfen. Dieser kunststürmerische Impetus liegt Ralph Bollmann fern. Mit „Walküre in Detmold“ hat er einen überaus vergnüglichen Reisebericht durch die deutsche Opernprovinz vorgelegt und eine zweifache Liebeserklärung ausgesprochen: an die Oper und an ihr Hinterland mit über achtzig Spielstätten in Klein- und Kleinststädten wie Detmold, Altenburg und Neustrelitz.
Weiterer Gesprächspartner: Gunnar Snorri Gunnarsson (Botschafter von Island)
Moderation: Andreas Vollmer
Snorri ist bis heute ein beliebter isländischer Vorname. Snorri Sturluson, als Verfasser der „Edda“ bekannt und einer der Protagonisten in Karl Wetzigs spannendem historischen Roman, tariert die Interessen der herrschenden Familien Islands aus und sichert dem Land auf diese Weise ein fragiles Gleichgewicht. Schließlich zerreißt das sorgsam geknüpfte Netz seiner Verbindungen. Familienzwiste und Fehden zwischen den führenden Clans sowie außenpolitische Verwicklungen stürzen Island in einen erbitterten Bürgerkrieg. Auch Snorri Sturlusons persönliches Schicksal bleibt davon nicht unberührt.
In Zusammenarbeit mit der Botschaft der Republik Island
Wolfgang Benz im Gespräch mit Alexander Zinn
Kurz vor der nationalsozialistischen Machtübernahme erlebt der junge Rudolf Brazda sein Coming-out als Homosexueller. Für kurze Zeit genießt er seine erste große Liebe, dann schlagen die Nationalsozialisten zu. Nach zwei Verhaftungen wird Brazda 1942 in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Dort überlebt er durch viel Glück – und dank seines ungebrochenen Humors und Optimismus. Alexander Zinn erzählt die Geschichte eines erfüllten Lebens, das trotz aller Widrigkeiten von Liebe und Lebensfreude geprägt war. Zugleich schildert er die unbarmherzige Verfolgung homosexueller Männer während des Nationalsozialismus.
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung
Mit Gerlinde Kempendorff und Kim Eustice
Seit 30 Jahren singt Gerlinde Kempendorff Kabarettchansons. Ihr Programm „Best Of aus dreißig Bühnenjahren“ gleicht einer musikalische Blütenlese ihrer Lieblingslieder: Von Tucholsky, Hollaender, Brecht, Kreisler bis hin zum deutsch-deutschen Schlager, Volks- und Kampflied. Ein Kessel Buntes der großen Kleinkunst, gespickt mit vielen kleinen Geschichten aus dem deutsch-deutschen Bühnenleben einer Chansonette. Begleitet wird sie von der australischen Pianistin Kim Eustice.
„Mokita“, wie der Titel von Anja Billings Gemälde lautet, bedeutet in der Sprache Papua Neugineas „Dinge, die man nicht zu sagen wagt…“ Der Bezug zum Thema „Aussicht Exil“, mit dem die Brecht-Tage 2012 im Literaturforum im Brecht-Haus überschrieben sind, ist augenfällig. Ins Exil muss ausgewichen werden, wenn im eigenen Land nicht mehr offen gesprochen und gelebt werden kann. In der Malerei von Anja Billing geht es immer wieder um die „Zeit“, um ihr Verrinnen, um ihr Vergehen – ein ständiger Wandel. Es sind Zustände des Übergangs, des Wechsels, des Transits, die in der Arbeit der Künstlerin ihren Ausdruck finden. Hier geht es im übertragenen Sinne um Exil, Abschied, Ankommen, neu beginnen andernorts.