Alle unsere Ankündigungen, Nachrichten und sonstige Neuigkeiten auf einen Blick.
———————————————————————-
Wolfgang-Koeppen-Woche: 26.07.-30.07.2010
———————————————————————-
Das Sommerprogramm des Literaturforums widmet sich jedes Jahr ausgesuchten Autorinnen und Autoren, in diesem Jahr den herausragenden und dennoch wieder zu entdeckenden Schriftstellern Stefan Zweig (1881–1942) und Wolfgang Koeppen (1906–1996).
——
Ausblick:
17.10., 11 Uhr – MATINEE ÜBER VÖGEL: Jonathan Franzen
26.-30. Juli 2010, „Der Geheimschreiber“ – Über Wolfgang Koeppen
Einen „Geheimschreiber“ nannte Alfred Andersch seinen Schriftstellerkollegen Wolfgang Koeppen (1906–1996), der zu den wichtigsten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur zählt, der Romane, Reisebücher, Essays, Kritiken und vieles andere mehr geschrieben hat und dessen Werk nun in einer sechzehnbändigen Werkausgabe erscheint.
Trotz seines – alles in allem – am Ende doch umfangreichen Lebenswerkes war Koeppens literarische Produktivität immer eine äußerst störungsanfällige, die zwischen Schreiben und Nichtschreiben, zwischen eruptiven Schaffensphasen wie auch längeren Perioden des Nichtschreibens beziehungsweise Nichtpublizierens wechselte. Koeppens ‚Geheimnis’ ist insofern ein doppeltes: es betrifft sowohl sein geschriebenes Werk wie auch sein ungeschriebenes – und damit sein Leben, über das er als Autor in zahlreichen Interviews oft gesprochen, und in das er gleichwohl niemals wirklich Einblick gegeben hat. Dieser Einblick in Koeppens Leben, das er selbst des öfteren einen „Roman“ nannte, ist erst in den letzten Jahren aufgrund der Publikation der biografischen Studie von Jörg Döring sowie den Briefwechseln mit Siegfried Unseld und der Ehefrau Marion möglich geworden. Das neue Wissen um den Autor schärft auch den Blick auf sein Werk.
Projektleitung: Hans-Ulrich Treichel, Deutsches Literaturinstitut Leipzig
* In Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag *
***
Montag, 26. Juli, 20 Uhr
LESUNG UND GESPRÄCH
Wolfgang Koeppens Briefe an Marion Koeppen und Siegfried Unseld
Mit Anja Ebner und Bernhard Fetz
Aus den Briefen liest Daniel Minetti
Moderation Hans-Ulrich Treichel
> Die Briefwechsel Wolfgang Koeppens mit seinem Verleger Siegfried Unseld und mit seiner Ehefrau Marion Koeppen erlauben nicht nur bisher verborgene Einblicke in das Leben Wolfgang Koeppens, sein Arbeitsleben einerseits und sein Eheleben andererseits. Es sind zugleich auch Erzählungen zweier Dramen: Das eine handelt von Koeppens Kampf um seinen ‚großen Roman’, den er seinem Verleger immer wieder versprochen, aber niemals geschrieben hat. Und das andere vom Kampf um das Glück seiner Ehe und die Rettung seiner psychisch gefährdeten Ehefrau Marion. Zwei Kämpfe, die Koeppen am Ende nicht bestand. Im Gespräch mit Anja Ebner, der Herausgeberin der Briefe von Wolfgang und Marion Koeppen, und mit Bernhard Fetz, Autor einer Monografie über Koeppen, Direktor des Österreichischen Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek und Biografietheoretiker, soll die dokumentarische und literarische Bedeutung der beiden Briefwechsel erörtert werden.
Dienstag, 27. Juli, 20 Uhr
VORTRÄGE UND DISKUSSION
„Das biografische Geheimnis“ – Auf den Spuren von Wolfgang Koeppens Biografie
Mit Monika Schmitz-Emans und Jörg Döring
Moderation Hans-Ulrich Treichel
> Im Jahr 2001 erschien Jörg Dörings maßstabsetzende und die Koeppen-Forschung nachhaltig bereichernde biografische Studie „…ich stellte mich unter, ich machte mich klein …“ Wolfgang Koeppen 1933–1945, die Koeppens bis dahin weitgehend verborgenen ‚Lebensroman’ dieser Zeit nachzeichnet. Dazu gehört seine Arbeit als Drehbuchautor bei der Bavaria, sein holländisches ‚Exil’, seine frühe Verbindung mit der zwanzig Jahre jüngeren späteren Ehefrau Marion wie auch die Umstände seiner lange Zeit nicht offenbarten Autorschaft von Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch (1948), die schließlich im Jahr 1992 unter dem Autornamen Koeppens und dem Titel Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch erneut erschienen und zu einer heftigen Debatte über Koeppens erst verschwiegene und dann offene literarische Aneignung eines jüdischen Schicksals führten. Jörg Döring, Professor für Neuere deutsche Literatur und Medien (Universität Siegen) wird mit Monika Schmitz-Emans, Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (Ruhr Universität Bochum) und unter anderem Spezialistin für „Die innere und äußere Fremde“, „Das Überleben im Text“ und die Poetik des Schreibens, der Bedeutung des Biografischen im Werk Wolfgang Koeppens nachgehen.
Mittwoch, 28. Juli, 20 Uhr
GESPRÄCH
„Ich bin ein konservativer Anarchist“ – Der Zeitkritiker Wolfgang Koeppen
Mit Raimund Fellinger und Axel Schildt
Moderation Hans-Ulrich Treichel
> Wolfgang Koeppens Romantrilogie Tauben im Gras (1951), Das Treibhaus (1953) und Der Tod in Rom (1954) gehört nicht nur zu den ästhetisch und stilistisch bemerkenswertesten Büchern der Nachkriegsliteratur, mit denen Koeppen an die Traditionen der literarischen Moderne und an Autoren wie Joyce, Dos Passos oder Faulkner anschließt. Koeppens Nachkriegstrilogie zeichnet sich darüber hinaus durch eine pointierte und zuweilen radikale Kritik der sogenannten Adenauerzeit aus, der er die Restauration derjenigen Verhältnisse vorwirft, die einst zu Naziherrschaft und Krieg geführt haben. Raimund Fellinger, Cheflektor des Suhrkamp Verlages und Axel Schildt, Professor für Neuere Geschichte sowie Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und Autor der jüngst erschienenen Monografie Deutsche Kulturgeschichte: die Bundesrepublik – 1945 bis zur Gegenwart (zus. mit Detlef Siegfried), widmen sich der Frage nach der gesellschaftspolitischen Substanz von Wolfgang Koeppens Zeitdiagnose.
Donnerstag, 29. Juli, 20 Uhr
GESPRÄCH
Vergebliche Reisen? – Wolfgang Koeppen unterwegs
Mit Walter Erhart und Hermann Schlösser
Moderation Hans-Ulrich Treichel
> Einen „Seitenpfad“ und „Irrweg“ hat Marcel Reich-Ranicki Wolfgang Koeppens Reisebücher genannt, wogegen Koeppen selbst von „Umwegen zum Roman“ gesprochen hat. Die Umwege haben freilich nicht zum erwarteten nächsten und gar großen Roman geführt, und Koeppens Reisebücher Nach Rußland und anderswohin (1958), Amerikafahrt (1959) und Reisen nach Frankreich (1961) stellen von heute aus betrachtet eine bedeutsame und eigenständige Phase in Koeppens literarischem Schaffen dar, denen als eigenständige Publikation nur das Prosafragment Jugend (1976) gefolgt ist. Walter Erhart, Professor für Germanistische Literaturwissenschaft (Universität Bielefeld) und Herausgeber von Koeppens Reisebüchern innerhalb der neuen Werkausgabe Koeppens im Suhrkamp Verlag sowie Hermann Schlösser, Feuilletonredakteur der Wiener Zeitung und unter anderem Autor einer Monografie über „Reiseformen des Geschriebenen“, machen sich gleichsam auf den kritischen Weg zum Reisenden Wolfgang Koeppen.
Freitag, 30. Juli, 20 Uhr
FILMVORFÜHRUNG UND GESPRÄCH
Außer Haus
Ort: Babylon, Großer Saal
Rosa-Luxemburg-Str. 30
10178 Berlin
Das Treibhaus. Nach dem Roman von Wolfgang Koeppen. Ein Film von Peter Goedel
Mit Peter Goedel
Moderation Hans-Ulrich Treichel
> Den „Glücksfall einer Literaturverfilmung“ nannte der Tagesspiegel Peter Goedels Verfilmung von Wolfgang Koeppens Roman Das Treibhaus mit Christian Doerner, Rüdiger Vogler, Hanns Zischler u.a. als Darsteller. Die Filmvorführung im Kino Babylon findet in Anwesenheit des Regisseurs statt.
* In Zusammenarbeit mit dem Kino Babylon *
„Vögel sind gewissermaßen das bessere Ich der Dinosaurier“ (J. Franzen in „Mein Vogelproblem“)
Mit Jonathan Franzen
Außer Haus:
Museum für Naturkunde
Invalidenstraße 43
10115 Berlin
Der Autor Jonathan Franzen über Vögel, Hobbyornithologen und die Lebenslektionen, die man beim Beobachten von Vögeln lernt. Wo immer er hinreist; lange vorher informiert er sich über die besten Beobachtungsorte. Er sammelt Beobachtungen und immer neue Arten. So hat ihn seine Leidenschaft fürs „bird watching“ auch an die Teiche der Brandenburger Parks und ins Berliner Umland geführt.
In Zusammenarbeit mit dem Museum für Naturkunde und dem Saarländischen Rundfunk
Anstelle eines Eintrittsgeldes bitten wir auf Wunsch von Jonathan Franzen um eine Einlassspende in Höhe von mindestens 5€, ermäßigt 3€ für das Ökowerk Berlin. Sollten Sie im Anschluss an die Veranstaltung die Ausstellungen des Museums für Naturkunde besuchen möchten, muss der reguläre Eintritt gezahlt werden.